Die Feldmühle Papier- und Zellstoffwerke AG, Düsseldorf-Oberkassel, der größte westdeutsche Papierproduzent und ein bedeutender Erzeuger auf dem Chemie- und Korundgebiet, konnte im Geschäftsjahr 1958 einen weiteren; Anstieg von Produktion und Umsatz erzielen. Aber die Umsatzausweitung von 3,4 (7) v. H. auf 406 (386) Mill. DM bleibt nicht nur erheblich: hinter der Vorjahrsentwicklung zurück, sondern sie bringt gleichzeitig zum Ausdruck, daß sich im Berichtsjahre die Ende 1957 angelaufene „größte, Kartonstraße Europas“ im Arnsberger Werk des Konzerns noch nicht in der gewünschten Form auswirken konnte. Diese Arnsberger Anlage, die mit ihrer 100 000-t-Kapazität das Unternehmen in die Umsatzgrößenordnung von einer halben Milliarde bringen soll, war in 1958 nur zu 60 v. H. ausgelastet.

Im Geschäftsbericht beschwert sich die Verwaltung, daß die Inlandsproduktion und die Einfuhr unterschiedlich zur Marktversorgung beigetragen haben. Bei unausgenützten Kapazitäten in der westdeutschen Papierindustrie habe sich die Produktion nur um 3 v. H. gegenüber dem Vorjahr, die Papiereinfuhr jedoch um 15 v. H. erhöht. Der Anteil des Importes an der Inlandsversorgung ist im letzten Jahr damit auf 19 v. H. gestiegen. Die Verwaltung weist darauf hin, daß die handelspolitischen Voraussetzungen für die westdeutsche Papiererzeugung wesentlich schlechter sind als in nahezu allen anderen OEEC-Ländern, die ihre Produktion mit Zöllen von 15 bis zu 40 v. H. zu schützen wissen, gegenüber nur 10 v. H. in der Bundesrepublik.

Feldmühle war auf Grund der z. T. standortbegünstigten ausländischen Konkurrenz bei Papier und Pappe einem scharfen Preisdruck ausgesetzt. Bei diesen beiden Erzeugnissen liegen die Verkaufspreise heute unter dem Niveau von 1953. Hierfür versucht sich die Feldmühle-Gruppe einen gewissen Ausgleich zu schaffen, indem sie sich in der Produktion anhaltend bemüht, auf höherwertige Qualitäten auszuweichen. Die Erzeugungskurve des Berichtsjahres zeigt daher bereits einen scharfen Rückgang bei Zeitungsdruckpapier, während alle anderen Sparten nach oben tendieren. Etwa drei Viertel des Gesamtumsatzes entfallen auf Papier und Karton. In den anderen Betätigungsbereichen des Konzerns, wurden zufriedenstellende Absatzerfolge erzielt.

Mit der vorgeschlagenen Dividendenerhöhung auf 13 (11) v. H. wird ungefähr die Einsparung aus der ermäßigten Körperschaftsteuer weitergegeben. Dieser Satz dürfte den wirtschaftlichen Möglichkeiten des vergangenen Jahres Rechnung tragen. Auch für 1959 hofft die Verwaltung wieder, ein „angemessenes Ergebnis“ erwirtschaften zu können. Im laufenden Jahre haben sich die negativen und positiven Einflüsse auf die Ertragsrechnung des Unternehmens fortgesetzt: Preisermäßigungen auf der Rohstoffseite einerseits und Lohnkostenerhöhungen auf der anderen; der verschärfte Wettbewerbsdruck hält ebenfalls an und damit der weitere Zwang zur Rationalisierung und Leistungssteigerung.

Im vergangenen Jahre hat die Investitionssumme des Konzerns mit 36 (43) Mill. DM fast die Höhe des Aktienkapitals von 37 Mill. ausgemacht, das überhaupt angesichts der vorgelegten Bilanz nicht gerade übermäßig dotiert ist. Die Hauptversammlung soll beschließen, das Kapital von 37 Mill. DM durch Einbringung von Sacheinlagen um 5 Mill. DM zu erhöhen. Der Börsenkurs der Feldmühle ist weder vom Markt her noch mit betriebswirtschaftlichen Daten zu erklären, obwohl in beiden Fällen das Unternehmen keineswegs schlecht abschneidet, aber vielleicht erklärt ihn die Tatsache, daß sich hier zwei bekannte Großaktionäre gegenüberstehen: Hugo Stinnes und Friedrich Flick. nmn