Der Titel lautete „Der Boden“, und es begann mit Vogelgezwitscher und einem Gespräch, das zwei Bauern am Waldesrand miteinander führten. Eine sentimentale Geschichte? Eine Hymne an die naturverbundenen Altvordern? Eine sorgsam eingepackte wissenschaftliche Lehrsendung?

Nichts dergleichen. Es war eine Sendung (von UKW Nord und Radio Bremen), die ihren Platz in der besten Sendezeit des Abends sehr wohl verdient hatte, weil sie gut dargeboten war. Die Hörer nachdenklich zu stimmen, war die Abgeht des Verfassers Hugo R. Bartels, und es ist ihm geglückt. Er hat das zugleich spröde wie zu Sentimentalitäten verleitende Thema mit „Szenen, Berichten, Dokumenten“ dargestellt. Vom gleichwohl sachlichen, doch bildkräftigen Monolog des Erzählers (sehr gut: Hans Paetsch) einläßt, hat er die mannigfachen Bedeutungen des Wortes Boden („oder was man eben so darunter versteht“) in teils guten und glaubwürdigen, teils weniger guten, weil gezwungenen Dialogen herausgearbeitet.

Die Frage, ob unter Boden die Heimaterde, ein Nahrungsmittelproduzent oder ein mikrobiologisches Experimentierfeld zu verstehen sei, beantwortete Bartels fast unmerklich: Der Boden – Erde, Acker, Weide, Straße, Wald – ist sowohl das eine wie das andere. Aber dem Verfasser lag daran, neben den Problemen, die uns unsere Zeit aufgegeben hat, auf die Mikrobe, „die Köchin der Unterwelt“ hinzuweisen, dieses vom menschlichen Auge nur durchs Mikroskop wahrnehmbare Lebewesen in der Erdkrume, das in ungeheurer Vielzahl unablässig das Werden der Pflanzen bewirkt. Am Schluß der Sendung stand die leise Mahnung, „mehr Achtung vor dem, was im Boden vorgeht“ zu haben, nicht nur vor dem, was sichtbar ist.

Regie Hat recht geschickt Heinrich Koch geführt. Er hätte jedoch manchen Gesprächspaaren – wie dem alten Oehlkers und seiner Frau – ein bißchen mehr Wirklichkeit angedeihen lassen können; hier fühlte man sich gelegentlich an Schulfunksendungen erinnert. Aber dieser Einwand verschwindet hinter dem guten Eindruck, den die ganze Sendung hinterlassen hat. m. s.