Wie Kurt Wessel in seinem zweiten „Gespräch über Politik in Deutschland“ zusammen mit vier Journalisten das Thema „Volksaktien und das Volkswagenwerk“ abhandelte – das sollte weder im Deutschen Fernsehen noch auch nur in dieser neuen Reihe des Bayerischen Rundfunks Schule machen. Man hatte die Parole „Unter uns gesagt“ – das ist der Titel der Sendereihe – so wörtlich genommen, daß nur ein Standpunkt mit vier kaum voneinander unterschiedenen Variationen zu hören war; die Befürworter der Erhardschen Pläne hatte man offenbar einzuladen vergessen zu diesem „Gespräch“, das infolge solcher Einhelligkeit der Meinungen gar keines war. Überdies war von der vor Eröffnung des neuen Unternehmens versprochenen Übung, profilierte Vertreter der politischen Parteien – „anders als bei Werner Höfer“ – hart miteinander diskutieren zu lassen, schon gar nichts zu spüren. Das Interesse der Zuschauer wurde im Gegenteil nur dadurch mühsam wachgehalten, daß keiner der Gesprächsteilnehmer seine politische Visitenkarte vorgezeigt hatte. Es dauerte dann freilich nicht lange, bis jedermann merkte, daß alle miteinander nur einer einzigen Partei das Wort redeten. Das erinnerte in fataler Weise an die pseudodemokratischen Diskussionsübungen Eduard von Schnitzlers im Fernsehen der Sowjetzone.

Als „Anti-Höfer-Sendung“ – so ähnlich wurden die neuen Mittwochsgespräche kürzlich angekündigt – war dieser zweite Versuch eine großartige Reklame für den Sonntagsfrühschoppen aus Köln. Denn – was immer sich gegen eine moosbewachsene Sendereihe auch sagen läßt – Einseitigkeiten in so peinlicher Weise wie bei dieser verunglückten Sendung aus München, sind uns von der Kölner Journalistenrunde seit ihrem Bestehen noch nicht geboten worden. Alf Werner Apel