Bonn, im Juli

Die sechs Außenminister der EWG in Brüssel sind sich rasch einig geworden: Die Anfrage der griechischen Regierung, ob’ sich Griechenland der Sechser-Gemeinschaft assoziieren könnte, wurde positiv beantwortet. Dabei dachten die Minister zunächst nicht einmal sosehr an die wirtschaftlichen als vielmehr an die politischen Auswirkungen einer solchen Geste. Seit der Balkanreise Chruschtschows verstärkt die Sowjetunion ja planmäßig ihren Druck auf Griechenland, und die recht beachtliche linksradikale Partei im Lande versucht, Moskau dabei in die Hände zu arbeiten. In dieser Lage war es notwendig, auf die Verbundenheit des Westens mit Griechenland hinzuweisen.

In den Verhandlungen, die nun zwischen Vertretern der EWG und der Athener Regierung beginnen, muß vor allem geklärt werden, wie weit die Wünsche Griechenlands, seine landwirtschaftlichen Produkte im EWG-Raum abzusetzen, erfüllt werden können. Der Spielraum, den die EWG-Länder in diesem Bereich haben, ist ja nicht sehr groß. Weiter wird man sich darüber verständigen müssen, in welchem Umfange Griechenland für seine Industrialisierungsvorhaben Hilfe aus den Entwicklungsfonds der Gemeinschaft erhalten kann. Eine Schwierigkeit: Athen möchte durch das geplante bilaterale Abkommen an den Vorteilen des Gemeinsamen Marktes teilhaben, ohne den EWG-Ländern seinen eigenen Markt im gleichen Umfange zu öffnen.

Es ist jedenfalls fraglich, ob Griechenland seine Kontingente und Zölle ganz dem Rhythmus der Sechser-Gemeinschaft anpassen kann.

Zwar ist die Befürchtung laut geworden, daß die geplante bilaterale Assoziierung die gerade von Bonn unterstützten Bestrebungen nach einer multilateralen Assoziation beeinträchtigen könne. Es scheint aber doch die Meinung zu überwiegen, daß diese Gefahr nicht überschätzt werden darf. Schon bei den früheren Beratungen über die Freihandelszone waren sich die Partner schließlich darüber klar, daß auch Sonderregelungen getroffen werden müßten – etwa von der Art, wie sie nun mit Griechenland versucht wird. R. S.