Eine neue Methode der Rationalisierung gewinnt immer mehr Freunde: „Operations Research“

Von Gerhart E. Reuss

„Operations Research“ ist einer jener Begriffe, die man auch beim besten Willen kaum treffend übersetzen kann. „Verfahrensforschung“ oder „Ablauf- und Planungsforschung“ sind zwei vorgeschlagene Verdeutschungen. Die Schwierigkeiten stammen daher, daß unter „Operations Research“ – im folgenden kurz O. R. genannt – ein ganzes Bündel von exakten Methoden zur Lösung betriebswirtschaftlicher Probleme und zur Berechnung optimaler Verhaltensweisen zusammengefaßt wird. O. R. versucht, mit mathematischen Methoden betriebliche Entscheidungen, die mit Rücksicht auf sich zum Teil widersprechende Einzelinteressen geformt werden müssen, optimal zu treffen.

Eine zunehmende Spezialisierung auf allen Gebieten der Betriebsleitung war das Kennzeichen der Entwicklung in den letzten fünfzig Jahren. Vollständige Durchrationalisierung der einzelnen Funktionen wurde angestrebt. Ein erstaunliches Phänomen in der Weiterbildung der Methoden der Betriebsführung ist, daß man sich lange Zeit nicht daran wagte, bei unternehmerischen Gesamtentscheidungen ähnlich rationale Methoden anzuwenden, wie sie bei betrieblichen Einzelfunktionen seit langem üblich sind. Der Glaube an die „unternehmerische Intuition“ und das eingeborene Mißtrauen des Praktikers gegen theoretische, gar noch mathematische Untersuchungen trugen dazu bei, reiche Versuche als fruchtlos abzutun.

Am Anfang: U-Boot-Abwehr

Im zweiten Weltkrieg begannen militärische Kommandostellen zu untersuchen, ob sich strategische Optimalentscheidungen mathematisch berechnen ließen. Zu Beginn des Krieges fand sich in England eine Gruppe von Physikern, Mathematikern und Physiologen zusammen, um als Team an der Aufgabe zu arbeiten, Radargeräte, Jagdflieger und Flakbatterien in einer optimalen Methode der Luftverteidigung zu kombinieren. In den USA löste man mit ähnlichen Berechnungen Probleme der optimalen U-Bootabwehr und der optimalen Geleitzuggröße. Auch die Berliner Luftbrücke basierte auf strategischen Optimalprogrammen.

Nach Beendigung des Krieges fing auch die Industrie an, sich solcher Berechnungen zu bedienen. Heute verfügen fast sämtliche amerikanischen Großfirmen der Öl-, Elektro-, Automobil- und Stahlindustrie, der chemischen Industrie, der Luftfahrt sowie die großen Eisenbahngesellschaften und Warenhauskonzerne über eigene O.R.-Abteilungen. Daneben bestehen viele Forschungsinstitute, die sich mit O.R.-Analysen befassen. In Europa findet man O.R.-Gruppen in den meisten Luftfahrtgesellschaften, in Großfirmen der chemischen Industrie sowie in einigen Elektro- und Montankonzernen.