Um die Jahreswende machte eine private Gruppe von sich reden, die unter der Firmenbezeichnung „Tankring e. V., München“ ein bargeldloses Abrechnungssystem für Tankstellen einrichten wollte. Mit beträchtlichem Werbeaufwand wurde diese Idee propagiert, aber letzten Endes hatte man die Rechnung „ohne den Wirt“, in diesem Falle ohne die großen Mineralölgesellschaften gemacht, die ihren Tankstellen einfach untersagten, mit dem Tankring einen Vertrag abzuschließen. Nicht ganz zu Unrecht fürchteten die Mineralölgesellschaften nämlich, daß der eine Pfennig je Liter Benzin, den der Tankring als Unkostenbeitrag für sich forderte, zum Anlaß neuer Diskussionen über die Handelsspanne der Tankstellen werden würde, zumal eine Reihe von Tankstellen ohnehin behauptet, mit der ihnen von den Mineralölgesellschaften eingeräumten Spanne nicht auskommen zu können. Inzwischen hat der Tankring eine Kartellbeschwerde gegen die Mineralölgesellschaften eingelegt, die jedoch jetzt verworfen worden ist.

Nun ist das Problem des bargeldlosen Tankens damit nicht zu den Akten gelegt worden. In den USA gibt es schon lange Systeme für Tanken auf Kredit und bei der zunehmenden Motorisierung in der Bundesrepublik – schon heute beträgt der Tankstellenumsatz bei uns etwa 4 Mrd. DM jährlich – konnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch hier ein bargeldloses Tanksystem aufgezogen werden würde. Und das ist jetzt geschehen. Die Dresdner Bank AG hat für ihre Kunden den Tankscheck erfunden; die Commerzbank hat bereits angekündigt, daß sie folgen wird. Die Deutsche Bank hat ihre Erwägungen zu diesem Thema noch nicht abgeschlossen.

Gegenüber der Tankringidee besteht folgender grundsätzlicher Unterschied: der Tankring gewährte einen Monatskredit. Alle Tankrechnungen sollten monatlich gesammelt und dem Tankringmitglied dann geschlossen zur Bezahlung vorgelegt werden. Anders beim Tankscheck. Seine Benutzung setzt ein normales Bankkonto voraus, von dem dann die jeweils von den Tankstellen vorgelegten Schecks abgebucht werden. Also kein Kreditsystem, Kredit nur im Rahmen der üblichen Kontenüberziehung.

Nur so ist es auch möglich, daß nirgends zusätzliche Kosten beim Tankscheck entstehen. Der einzige Aufwand für den Tankenden sind 50 Pfennig für 10 Tankschecks, die bis zu einem Betrag von je 75 DM ausgestellt werden können. Das Risiko ist von vornherein auf ein vernünftiges Maß begrenzt. Insgesamt erkennen die Tankstellen von 8 deutschen Mineralölgesellschaften den Tankscheck der Dresdner Bank an. Damit kann der Tankende an 24 500 Tankstellen der Bundesrepublik seine Schecks in Zahlung geben. Für den Tankstellenbesitzer stellen die Schecks praktisch. Bargeld dar; er läuft kein Risiko (wenn er nicht grob fahrlässig gegen die Sicherheitsvorschriften verstößt). Die Dresdner Bank ihrerseits wird die Bonität ihrer Kunden, denen sie ein Tankscheckheft aushändigt, sorgfältig überprüfen. In internen Vereinbarungen zwischen der Bank und den Mineralölgesellschaften sind Regelungen für den Fall festgelegt, wenn ein Scheck mangels Deckung nicht eingelöst werden kann. Der Tankstellenbesitzer bekommt aber auf alle Fälle sein Geld. Wenn sich, die großen Mineralölgesellschaften zur Unterstützung des Tankschecks bereit gefunden haben, dann mag dabei die Überlegung mitgespielt haben, daß sie auf diese Weise von jeglichen Kreditsystemen verschont bleiben werden, die sich stets irgendwie auf die Kostengestaltung niederschlagen müssen. Für die Banken ist der Nutzen des Tankschecks nicht so schnell erkennbar. Seine Einführung stellt einen neuen Dienstleistungszweig dar, der geeignet ist, neue Kurden zu gewinnen oder alte Kunden dazu bringt, sich der Dienste der Bank zu bedienen. Ein Geschäft ist der Tankscheck für die Bank nicht. Das wird man ebenso wenig für die Kleinkreditaktion sowie für die Hilfe sagen können, die von den Barken bei der Unterbringung der Preussag-Aktie gewährt worden ist. Mit diesen Dienstleistungen werben die Banken lediglich um ein neues Publikum.

Daß in diesem Falle dabei der bargeldlose Zahlungsverkehr gefördert wird, ist sozusagen ein Nebenprodukt, dessen Bedeutung jedoch nicht unterschätzt werden darf. Hier liegt ein währungspolitisches Interesse vor, denn eine Eindämmung des immer mehr wachsenden Notenumlaufs bedeutet für die Notenbank und ihre Politik eine erhebliche Erleichterung. Kurt Wendt