Die Post „rationalisiert“ die Telefonbücher – „Metvv“ bedeutet nicht Mettwurst

G. W., Braunschweig

Was bedeutet „Zigt“? – Zigaretten. Was ist ein „Dep“? Kein falschgeschriebener Depp, sondern ein Depot. Aber „Tepp“? Erraten, das ist ein Teppich. Und „MetW“? – Mettwürste? Keineswegs, es sind Metallwaren.

Was soll der Unfug? Oder – milder ausgedrückt – das Ratespiel? Es steht nach dem Willen der Deutschen Bundespost allen Bundesbürgern bevor, die telephonieren müssen. Zunächst freilich haben die Braunschweiger den zweifelhaften Vorzug, sich darin versuchen zu dürfen.

Die Post hat nämlich Sorgen mit den Telephonbüchern. Sie werden, je mehr sich die Zahl der Anschlüsse vermehrt, desto dicker, schwerer und unhandlicher. Ihr Umfang wächst jedes Jahr um zehn Prozent. Sucht man aber einen Teilnehmer in einem Nachbarort, steht er bestimmt nicht drin; als Ausgleich sind die Anschlüsse weit abgelegener Orte aufgeführt. Für Braunschweig sieht das so aus: die mittelbar benachbarte Volkswagenstadt Wolfsburg ist nicht im Telephonbuch verzeichnet, wohl aber das 125 km entfernte und für Braunschweig bedeutungslose Hannoversch-Münden.

Um solche Fälle seltener zu machen, will die Post die Bezirke der Fernsprechbücher neu einteilen und zusammenlegen. Aus den bisher 27 Telephonbüchern des Bundesgebietes sollen 16 Verden. Das würde allerdings bedeuten, daß die sowieso schon laufend anschwellenden Bücher allmählich Brockhaus-Format erreichen. Was tun? Abkürzen, entschied die Post.

Um die Reaktion der Öffentlichkeit zu erkunden, hat die Post das Braunschweiger Experiment unternommen und dabei das Kunststück fertiggebracht, das Buch von 310 Seiten auf 194 zu kürzen. „Es ist eine menschliche Schwäche“, klagt der für das Unternehmen verantwortliche Oberinspektor Räke, „daß jeder sich gern möglichst breit und ausführlich gedruckt sieht. Unsere Telephonbücher aber sollen weder Adreßbücher, noch Promotionslisten und auch keine Warenverzeichnisse sein.“ Werbende Angaben, Sprechzeiten der Ärzte und Anwälte sollen aus ihnen verschwinden.