Die Anstrengungen der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, Essen, die als größte deutsche Zechengesellschaft auch 1958 einen Betrag von 38,8 Mill. DM für eine achtprozentige Dividende erwirtschaftet hat, sind in der Hauptversammlung des Unternehmens mit Zustimmung und Zufriedenheit honoriert worden. Die GBAG-HV sah auch in diesem Jahr an die 1000 Aktionäre beim Frühstück vereint.

In seinen Ausführungen vor Eintritt in die Tagesordnung hat der Vorstandsvorsitzende, der Bergassessor a. D. Hans Dütting, den Aktionären erklärt, daß die GBAG im Gegensatz zu vielen anderen Bergbaugesellschaften auch für das Geschäftsjahr 1959 in der Lage sein werde, eine Dividende zu verteilen. Dütting hielt es allerdings für „unverantwortlich“, bei der kritischen Lage des Bergbaues schon jetzt etwas über die voraussichtliche Höhe zu sagen. Immerhin rechnet aber die Verwaltung auf Grund der bisherigen Erfahrungen damit, daß sich die Ergebnisse bei den Nicht-Kohletöchtern „nicht wesentlich verändern werden“. Für die Gelsenberg-Zechen wurde betont, daß die Abschlüsse zwar ungünstiger ausfallen als im Vorjahr, jedoch seien keine Verluste entstanden. Da diese Feststellung auch für die Monate April, Mai und Juni 1959 zutrifft, die wegen der mit der Umwandlung, der Bergbaugesellschaften verbundenen Gleichschaltung der Geschäftsjahre im gesamten GBAG-Bereich zusätzlich in den nächsten Abschluß einbezogen werden, dürften die Aussichten für die Aktionäre in der Tat nicht schlechter sein als das vorliegende Ergebnis dieses Unternehmens.

Die Rede des Vorstandsvorsitzenden war eine eindeutige Absage an überkommene Vorstellungen bei der Kohle. Es sei notwendig, so führte .Bergassessor Dütting aus, daß der Bergbau aus der klaren Erkenntnis eines auch auf lange Sicht nicht mehr steigenden, sondern sich eher vermindernden deutschen Kohlenabsatzes die unvermeidlichen Schlußfolgerungen ziehe. Alle Betriebe mit geringen Leistungen und hohen Selbstkosten seien stillzulegen. Vor allem müßten diese Maßnahmen „konsequent und möglichst schnell“ durchgeführt werden. Das sei besonders auch im Interesse der Bergbaubelegschaften anzustreben, da diese bei der gegenwärtig guten Konjunktur in anderen Gewerbezweigen kurzfristig neue Stellungen finden könnten, man aber nicht wisse, wie lange diese Chance noch gegeben sei.

Daß bei der GBAG solche Worte nicht nur Programm sind, sondern daß bereits seit Monaten danach gehandelt wird, haben wir anläßlich der Bilanzbesprechung dieser Gesellschaft dargestellt. Vorstandsvorsitzender Dütting gab jetzt bekannt, daß die Kohlenförderung aller GBAG-Betriebe im laufenden Jahr schätzungsweise nur noch 17 Mill. t erreichen wird, das sind fast 15 v.H. weniger als in 1956, dem Jahr mit der höchsten Förderung. Die Frage, wie sich der mit den weitreichenden Einschränkungsmaßnahmen verbundene Substanzverzicht für die Aktionäre des Unternehmens auswirken wird, fand in der Rede des Vorstandsvorsitzenden eine ausführliche Beantwortung. „Eine Strukturänderung des Absatzes“, so sagte Dütting, „verlangt Opfer, die nicht nur die Arbeitskräfte betreffen und die Vermögenswerte, sondern auch die laufenden Einnahmen verringern.“ Es liege aber gleichermaßen im Interesse der Aktionäre wie der verbleibenden Belegschaften, durch zielbewußtes Aufgeben von verlustbringenden Betrieben und entsprechender Verminderung der Belegschaften in Zechen und Verwaltungen, durch stärkste Mechanisierung, Zusammenfassung und Ausnutzung der besten Schachtanlagen auch bei verringertem Absatz zu befriedigenden Ergebnissen zu kommen. Daneben aber ist das Unternehmen auch bemüht, so war zu hören, seine sonstigen Geschäftsinteressen, insbesondere bei Gelsenberg Benzin, auszubauen. Die Mineralöltochter des Konzerns soll auf „eine solide Basis durch eigenes Rohöl gestellt“ werden. An der zur Behauptung auf dem süddeutschen Markt geplanten Raffinerie in Karlsruhe wird sich Gelsenberg Benzin mit 22,5 v. H. beteiligen, nmn