Paris, so heißt es, sei die Stadt der Liebesromanzen. So richtig haben wir das nie glauben wollen, bis wir uns neulich mit drei jungen Mädchen unterhielten, die schon einige Jahre in Paris leben. Die Mädchen – alle drei Ausländerinnen – verglichen gerade ihre Erfahrungen mit den französischen Männern, und das war so interessant, daß wir uns die Erlaubnis erbaten, selbst einige Notizen machen zu dürfen.

„Die jungen französischen Männer“, sagte eine der jungen Damen, „arbeiten alle nach derselben Schablone. Angenommen, man sitzt allein in einem Boulevard-Kaffee und ein Franzose sieht, daß man eine ausländische Zeitung liest. Erst wird er einem auf die Zehen treten oder rein zufällig anrempeln. Dann wird er auf Französisch sagen: ‚Entschuldigen Sie, Mademoiselle, ich bin untröstlich. Ich hoffe, ich habe Ihnen nicht weh getan‘. Dann schaut er unter den Tisch und betrachtet die Beine des Mädchens – weniger, um zu sehen, was er für Schaden angerichtet hat, als um herauszufinden, ob es sich lohnt, den Faden weiterzuspinnen. Wenn er zu der Ansicht kommt, daß es sich lohnt, sagt er: ‚Ich sehe, daß Sie Ausländerin sind; woher kommen Sie denn?

Wenn das Mädchen darauf antwortet, daß es aus Amerika sei, dann sagt er: ‚Oh, Amerika, ich, liebe Amerika! Ich habe einen Vetter, der mal in Montreal war .. .‘

‚Wie lange bleiben Sie noch hier?‘ Das ist eine ungemein wichtige Frage. Wenn man antwortet, fünf Jahre, läßt er die ganze Sache aus Angst vor Komplikationen am liebsten gleich fallen. Wenn man sagt, nur ein paar Monate, dann stehlen sich Tränen in seine Augen und er wird sentimental: ‚So bald wollen Sie Paris schon wieder verlassen? Wie traurig ..

Dann will er wissen, wasdas Mädchen in Paris eigentlich treibt. Wenn es antwortet, es studiere, so trägt ihr das mehrere Pluspunkte ein. Die jungen Franzosen pflegen die Legende, daß die Studentinnen in Paris gern Dinge tun, auf die sie sich zu Hause nie einlassen würden.

Wenn das Mädchen jedoch antwortet, es sei nur eine Touristin, so trägt ihr das einige Minuspunkte ein. Die Franzosen betrachten Touristinnen als teuren Spaß. Bevor sich da eine Romanze anspinnen kann, muß er sie gewöhnlich auf den Eiffelturm schleifen, in den Louvre, in die Kathedrale von Notre Dame, nach Bateaux Mouches, Sacré Coeur und ins Wachsfigurenkabinett.“

„Was passiert, wenn Sie sagen, daß Sie Studentin sind?“ fragten wir.