Als ein repräsentativer Querschnitt durch die westdeutsche Versicherungswirtschaft mag die Bilanz der Allianz Versicherungs-AG, München-Berlin, gelten, zumal diese Gesellschaft mit ihrem Allround-Charakter einen breiten Rahmen des Versicherungsgeschäftes bearbeitet und die meisten deutschen Industrie-Risiken im Portefeuille hat. Anläßlich der Vorlage des Geschäftsberichtes 1958 wurde auch ein Überblick über die Entwicklung in den letzten zehn Jahren gegeben. 1958 hat sich der Prämienzuwachs auf brutto 76,43 (i. V. 65,2) Mill. DM erhöht. Die Prämieneinnahmen insgesamt betrugen 636,3 (559,9) Millionen DM, davon 426,8 (375,5) Mill. DM Eigenbehalt. Im ersten vollen Jahr nach der Währungsreform (1949) waren es noch brutto etwa 140 Mill. DM Prämieneinnahmen gewesen. Wie Vorstandsvorsitzender Dr. Goudefroy mitteilte, wurden in den vergangenen zehn Jahren über 6 Millionen Schäden mit rund 2 Mrd. DM reguliert, Während 1949 noch 4,5 Millionen laufende Versicherungsverträge verwaltet wurden, hat die Gesellschaft heute fast 10,9 Mill. DM in ihrem Portefeuille. Wenn sich 1958 auch die Stückzahl der auf enden Verträge um 11,3 (9,6) v. H. erhöht hat, war doch die Entwicklung in den einzelnen Zweigen sehr unterschiedlich. Ingesamt wurden 1958 über 1 Million Schäden einschließlich der aus dem Vorjahr übernommenen registriert und mehr als 80 v. H. abgewickelt. Beschäftigt waren neben 10 521 (10 004) fest angestellten Mitarbeitern 4000 hauptberufliche und 40 000 nebenberufliche Vertreter.

In der Kraftfahrzeug-Versicherung stiegen die Prämieneinnahmen erheblich auf 271,1 (240,7) Mill. DM. In der Maschinen Versicherung betrug der Zuwachs 17 (9,5) v. H., das Aufkommen 49,9 (42,7) Mill. DM. Auch in der Unfallversicherung war der Zuwachs größer als im Vorjahr, während er bei Feuer etwas zurückging. Das gleiche gilt auch für Transport; hier ließ der internationale Prämiendruck die Gesellschaft eine gewisse Zurückhaltung in der Übernahme von Risiken üben. Zu kleineren Rückgängen kam es bei Einbruch-Diebstahl, bei der Einheits- und der Reisewetter-Versicherung. Der Anteil der Kraftfahrsparten am Bestand ging etwas zurück, was einem stetigen Ertragsausgleich und ausgewogener Branchenmischung zugute kam. Andererseits verzeichnete die Lebensversicherung mit nun 742 (611) Mill. DM Bestand einen stetigen Zuwachs.

Die stabilere Lohn- und Preislage dürfte sich zumindest in keiner weiteren Verteuerung der Schadenabwicklung geäußert haben. Schadenzahlungen für eigene Rechnungen haben sich nur um 7,0 (i. V. 9,0) v. H. auf 168,8 Mill. DM erhöht, während die Nettoprämieneinnahmen immerhin um 12,4 v. H. auf 378,7 Mill. DM zunahmen. In den einzelnen Branchen verlief u. a. Feuer befriedigend, doch sei bei den gedrückten Sätzen nur mehr bei günstigem Verlauf ein ausgeglichenes Ergebnis zu erwarten. Bei Haftpflicht wurde ein bescheidener Gewinn erzielt; hier hat sich die Schadenhäufigkeit verringert, der Durchschnittsaufwand jedoch erhöht. Wieder mit Verlust schloß die Kraftfahrt-Haftpflicht; nach einer günstigeren Entwicklung, im ersten Halbjahr auf die Geschwindigkeitsbegrenzung hin stiegen später die Schäden schneller als die Fahrzeugzulassungen. Im letzten Jahresdrittel erhöhte sich die Prämieneinnahme gegenüber der gleichen Vorjahrszeit um 13,5 v. H., die Schadenssumme aber um 18 v.H. Nur der befriedigende Verlauf in der Kasko- und Unfallversicherung ließ 10 v. H. zusätzlichen Bonus für schadensfreie Versicherungen zu. Reisewetter brachte erneut Verlust bei normalem Schadensfall. Glas schnitt befriedigend ab. Bei der Lebensrückversicherung war der Sterblichkeitsverlauf befriedigend; sie schloß wieder mit einem Überschuß.

Zwar blieb der technische Überschuß gegenüber dem Vorjahr mit 12,8 (13,0) Mill. DM etwas zurück, doch stiegen Vermögenserträge auf 34,5 (26,9). In der Bilanz erhöhte sich der Grundbesitz auf 119,2 (102,8). Forderungen auf 130,5 (116,5), während Wertpapiere mit 333,9 (244,7) ausgewiesen sind. Andererseits wurden Rücklagen auf 47 (37) Mill. DM und technische Rückstellungen auf 685,6 (498,8) aufgestockt. Die offenen Reserven (ohne Wertberichtigungen) haben mit 47,0 Mill. DM inzwischen das Grundkapital von 35,2 – davon 31,02 eingezahlt – beträchtlich überschritten. Die Reservenpolitik wurde mit der Geschäftsausdehnung, aber auch mit der durch die technische Entwicklung zunehmenden Risikoballung und der noch nicht übersehbaren Gestaltung der Kfz-Versicherung begründet. Die stillen Reserven seien nicht im gleichen Umfang wie die offenen verstärkt worden. Die Dividende von 14,18 (12,48) v. H. einschl. Vortrag aus 4,71 (4,08) Mill. DM Gewinn wurde von der Hauptversammlung am 30. 7. gebilligt. Die Aktiennotiz (1925 DM am 16. 7. in München) wurde von der Verwaltung als so überhöht bezeichnet, daß sie dazu nicht Stellung nehmen könne. t. r.