Die Miteigentums-Erzwinger sind in die Sackgasse geraten

Von Erwin Topf

„Noch so gute sozialpolitische Gesetze können den Vertrauensverlust nicht wettmachen, den etwa die einseitige Vermögensverteilung nach der Gleichstellung am Tage der Währungsreform hervorgerufen hat – jene Vermögensansammlung, die der katholische Wissenschaftler Paul Jostock mit Recht als den Skandal der Nachkriegsentwicklung der Bundesrepublik bezeichnet hat.“

Prof. Dr. Ludwig Preller in Nr. 6/59 der Zeitschrift „Sozialer Fortschritt“

Es fällt nicht leicht, zu glauben, daß ein Professor – tätig an der Akademie der Arbeit in der Frankfurter Universität – eine so fundamentale Sache, wie es der Unterschied zwischen Bargeld- und Vermögensbestand ist, nicht kennen sollte. Das Zitat beweist aber, welche Macht den primitivsten Formulierungen der politischen Propaganda innewohnen kann. Prof. Preller hat bei seinen Hörern in Partei- und Wahlversammlungen offenbar immer wieder großen Anklang mit dem Slogan gefunden, daß es am Tage der Währungsreform, sehr im Gegensatz zu heute, noch keinen Reichtum und keine Millionäre gegeben habe, sondern „alle gleich arm“ gewesen seien, weil jedermann eben nur die bewußten 40 DM der ersten Quote aus dem „Geldumtausch“ im Portemonnaie gehabt habe ... So mag es dazu gekommen sein, daß diese billige Pointe von Preller immer und immer wieder „gebracht“ worden ist – bis er schließlich selber daran geglaubt hat.

Acht Milliarden jedes Jahr

Aber nicht nur ausschließlich sozialdemokratische Kritiker haben den Einwand vorzubringen, daß die Marktwirtschaft im Ergebnis der letzten elf Jahre in Westdeutschland zu einer skandalösen. Vermögensverteilung geführt habe. Einige Vertreter der katholischen Soziallehre – Dr. Paul Jostock, der Präsident des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg, wurde schon zitiert – sind nicht minder schroff in ihren Formulierungen und womöglich noch militanter in ihren Forderungen. Obenan steht hier Prof. von Nell-Breuning, S. J., der an der Hochschule St. Georgen (in Frankfurt/Main) die Fächer Moraltheologie und Gesellschaftslehre vertritt, außerdem Honorarprofessor an der Universität und an der Akademie der Arbeit ist. Bei dem „Europäischen Gespräch“ (zum Thema „Macht oder Ohnmacht des Eigentums“, 1958 in Recklinghausen) hat er unter anderem folgendes ausgeführt: