AM., Paris, Ende Juli

Der Algerienkrieg spielt sich auf zwei verschiedenen Ebenen ab. Parallel zu den Kriegshandlungen verläuft ein. Propagandakrieg, der es recht schwierig macht, sich ein nüchternes Bild der Lage zu verschaffen. Die Gegenseite behauptet, die in den Kabylischen Bergen eingesetzten 30 000 Mann französischer Elitetruppen seien bisher ins Leere gestoßen. Der Beobachter steht vor dem gleichen Dilemma wie bei den Verlustziffern: Will man den französischen Angaben glauben, so kommt in Algerien allerhöchstens ein französischer Gefallener auf 20 bis 30 Angehörige des FLN. Gerät man aber mit Heimkehrern der Algerien-Armee ins Gespräch, so erhält man ein wesentlich anderes Bild der Lage.

All diese Widersprüche bleiben natürlich auch der Bevölkerung des Mutterlandes nicht verborgen. Das führt dazu, daß Siegesmeldungen aus Algerien mehr und mehr auf fatalistische Gleichgültigkeit stoßen und langsam die Befürchtung aufkommt, es könnten sich die Vorgänge des Indochina-Krieges wiederholen, wo sieben Jahre hintereinander eine Siegesmeldung auf die andere folgte, bis die Öffentlichkeit plötzlich vor dem bitteren Ende stand.

Was die gegenwärtige Schlacht in den Kabylen betrifft, so dürfte selbst ihr siegreicher Ausgang noch lange kein Ende dieses Krieges bedeuten.