RH – Hamburg

Am Anfang war nur die Idee vorhanden, eine richtige Studentenzeitschrift zu machen. Eine nicht sehr konkrete Idee.“ Das teilte der verantwortliche Redakteur der soeben mit Nr. 1 erschienenen Zeitschrift „Student und Gesellschaft“, Günter Geschke, einigen Journalisten mit. Sie waren in das Hamburger Studentenhaus an der Benekestraße gekommen, um die neuen Freizeitkollegen und ihr erstes Werk kennenzulernen.

Auf dem ovalen Konferenztisch lagen Exemplare der Zeitschrift „Student und Gesellschaft“, die sich nun also von der abstrakten Idee in eine konkrete, zwölfseitige Sache verwandelt hat. Die Gründer der neuen Zeitschrift waren offenbar nicht zuletzt von der Überlegung ausgegangen, daß man der Studentenzeitung „KONKRET Unabhängige Zeitschrift für Kultur und Politik“, die eine Auflage von 25 000 Exemplaren hat, etwas entgegensetzen müsse. KONKRETs Unabhängigkeit ist nämlich vornehmlich die Unabhängigkeit von westlichen Bindungen und Ideen.

In KONKRET wird ziemlich zäh und eintönig Politik gemacht. In seinen Spalten weht Ostwind oder ein für den bundesdeutschen Leser gewirkter Ost-Zephir, der den Lesern so etwas wie Freiheit von der Freiheit verspricht, dabei auf die Erfahrung bauend, daß die meisten Menschen das am höchsten schätzen, was sie gerade nicht haben.

Außer KONKRET gibt es in Hamburg noch OMNIBUS, „Die Studentenzeitung Hamburgs“, deren Titel ein HamburgerWappen ziert. OMNIBUS ist das Organ des Ringes Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) an der Universität Hamburg. OMNIBUS nennt sich zwar nicht ausdrücklich, wie es KONKRET tut, unabhängig, legt aber doch Wert darauf, seine Unabhängigkeit von Partei und Parteigeldern zu betonen. „Die Finanzierung des OMNIBUS erfolgt ausschließlich durch Inserate und durch die Mittel, die allen an der Universität Hamburg zugelassenen politischen Studentengruppen in gleicher Höhe zur Verfügung stehen.“

Wie abhängig oder unabhängig KONKRET und OMNIBUS auch immer seien, die Leute, die „Student und Gesellschaft“ gründeten und nun herausgeben, meinen, daß zwischen beiden eine Lücke klaffe, die durch ihre Zeitschrift ausgefüllt werden soll. Womit nun also eine dritte Studentenzeitschrift in Hamburg erscheint. Die Unabhängigkeit schien den Herausgebern, dem eingetragenen Verein „Student und Gesellschaft“, dann am besten gesichert, wenn die Gelder aus möglichst vielen Quellen fließen. Sie haben sich also an zahlreiche Firmen gewandt – „Wir begannen auf den Weiden der Hamburger Wirtschaft zu grasen“ – und von etlichen auch Spenden bekommen, die es ihnen erlauben, zunächst bis zum Ende des Wintersemesters jeden Monat (ausgenommen in den Semesterferien) eine Nummer herauszubringen. Das wird sie jedesmal 2000 Mark kosten. 5000 Exemplare sollen vorläufig von jeder Nummer erscheinen.

„Wir sind evangelisch und katholisch, sozialistisch, liberal und christdemokratisch – nur ist keiner von uns ‚delegiert‘, und jeder von uns glaubt, daß wir zusammen einen recht manierlichen Haufen abgeben. Solange unser (finanzieller) Atem reicht, werden wir gegen jede Sehnsucht nach konformistischen Bewegungen aller Art und jeder Schattierung zu Felde ziehen.“