Washington, Ende September

Zweifellos werden Sie verstehen, daß es nicht so leicht ist, all das, was sich in den vielen Jahren des Kalten Krieges angehäuft hat, beiseite zu räumen. Wie viele Reden wurden gehalten, die nicht zu einer Verbesserung der Beziehungen, sondern im Gegenteil zu ihrer Verschärfung beigetragen haben.

Deshalb kann man auch nicht mit einer plötzlichen Veränderung der Situation rechnen. Der Prozeß der Verbesserung der Beziehungen zwischen unseren Staaten erfordert große Anstrengungen und Geduld, und er erfordert vor allem, daß sowohl die eine als auch die andere Seite den Willen hat, die Voraussetzungen zu schaffen, die den Übergang vom gegenwärtigen Zustand der Spannungen zu normalen Beziehungen und später auch zur Freundschaft im Interesse der Festigung des Friedens in aller Welt ermöglichen ...

Sie haben den Kapitalismus und wir den Sozialismus. Sollen wir es aber deswegen zu einer weltumfassenden Rauferei kommen lassen?

Haben Sie nicht über folgende Frage nachgedacht: Wenn weder wir noch Sie beabsichtigen, Krieg zu führen, warum brauchen wir dann so viel Waffen? Man hat mir gesagt, daß Ihr Land im Jahr durchschnittlich über 40 Milliarden Dollar für Rüstungszwecke ausgibt. Und wir? Warum soll man es verheimlichen – wir geben für die gleichen Zwecke etwa 25 Milliarden Dollar im Jahr aus. Läßt sich denn keine bessere Verwendung für die Gelder des Volkes finden?

Natürlich entschließt sich kein Staat leicht zur Abrüstung, wenn er nicht die Gewißheit hat, daß auch die anderen dasselbe tun. Jeder hat ein wenig Furcht, daß er von jemandem überfallen werden könnte...