Der seit Wochen währende Streit über den Bezugskurs von 300 v. H. für die jungen Aktien der Badische Anilin-Sodafabrik AG (BASF), Ludwigshafen, wurde auf der Hauptversammlung in Ludwigshafen in offener Feldschlacht entschieden. Über sechs Stunden währte die Debatte. Sie bewegte sich von Anfang bis zu Ende auf einem hohen Niveau. Selbst die hauptberuflichen Oppositionsredner bemühten sich, einen positiven Beitrag zu leisten. Den Höhepunkt der Auseinandersetzung stellten die Darlegungen der Wertpapiervereinigung dar. Sie hat sich von Anfang an gegen das Bezugsrecht von 300 v. H. ausgesprochen; ihre Ausführungen wurden durch wohl abgewogene Argumente unterbaut. Wenn die Schutzvereinigung in der Abstimmung zum Schluß unterlag, so besagt dies nicht, daß ihre Argumente nicht weiterwirken werden und daß die Debatte über die hohen Bezugskurse nicht weitergeht. Dabei wurde deutlich: Was für die BASF nach der Auffassung der Verwaltung und – wie es sich gezeigt hat – des überwiegenden Teiles der Aktionäre für richtig befunden wurde, paßt noch längst nicht für alle anderen Gesllschaften. Aufsichtsratsvorsitzender Hermann J. Abs wies selbst darauf hin, daß jede einzelne Kapitalerhöhung besonders gelagert ist. Es gibt sehr wohl Fälle, wo auch heute noch ein Pari-Bezugsrecht – quasi als ein Ersatz für Gratisaktien – als richtig erscheint, und es gibt genauso andere Möglichkeiten, wo sich der Mittelweg als die beste Lösung anbietet. Die Hauptversammlung in Ludwigshafen erwies sich für die Verwaltung der BASF insofern als besonderer Erfolg, als es ihr gelungen ist, die Mehrheit der Aktionäre des Unternehmens davon zu überzeugen, daß der von ihr vorgeschlagene Weg eine gute Lösung darstellt. Andererseits kann niemand an der zahlenmäßigen Stärke der Opposition vorbeikommen. Immerhin haben mehr als zehn v. H. des vertretenen Kapitals mit „Nein“, also gegen die Kapitalerhöhung zu einem Ausgabekurs von 300 v. H., gestimmt. Das ist eine für westdeutsche Nachkriegsverhältnisse starke Gegnerschaft gegen einen Antrag der Verwaltung. Nicht nur anwesende Aktionäre stimmten „dagegen“, sondern auch die Banken haben, den Aufträgen ihrer Kunden folgend, mit Millionenbeträgen der Verwaltung die Gefolgschaft verweigert. W. R.