H. W. Bad.Segeberg

Schleswig-Holstein ist ein friedliches Land. Dennoch ist es reich an Kriegen. Es sind zwar unblutige Kriege, wie es sich für die Gegenwart geziemt, aber sie werden bis zur letzten Konsequenz ausgefochten. Diese letzte Konsequenz heißt Landesverwaltungsgericht wenn es hoch kommt Oberverwaltungsgericht; und wenn es noch höher kommt, Bundesverwaltungsgericht.

Die Kriege, um die es sich dabei dreht, sind die sogenannten Rathauskriege – in denen zwar nicht mit Pulver und Blei geschossen wird, sondern mit Kanonen nach Spatzen und oft mit Paragraphen nach dem gesunden Menschenverstand. Das war im Elmshorner Rathauskrieg so, im Eckernförder Rathausstreit, und im neuesten Rathauskrieg im Kreise Segeberg ist es nicht anders, der im Volksmund schon seinen Spitznamen weg hat: Pappelkrieg.

In diesem jüngsten Streit geht es um Pappeln, um jene nützlichen Bäume, die schon Napoleon an deutschen Straßen anpflanzen ließ. Dem großen Vorbild folgend, beschlossen auch die Gemeindevertreter von Weede im Kreis Segeberg im Jahre 1952, an der Straße Weede–Schieren Pappeln anzupflanzen. Sie waren Menschen mit einem Blick für die Zukunft, und sie sagten sich, daß man aus diesen Pappeln später einen nicht unbeträchtlichen Gewinn ziehen könne – denn Pappeln sind Nutzholz, und Nutzholz ist teuer. Die Weeder rechneten sich aus, daß man ihnen in fünfzehn Jahren für die Pappeln 150 000 Mark auf den Tisch legen werde. Für diesen ansehnlichen Batzen Geld wollten sie ein neuzeitliches Schwimmbad bauen.

Die Rechnung war zu glatt, um aufzugehen. Im Frühjahr 1959 wurde der Gemeindeweg vom Kreis Segeberg als Kreisstraße übernommen – und mit dem Weg sollten auch die Pappeln dem Kreis übereignet werden. Die Kreisverwaltung war auch durchaus bereit, die Bäume zu bezahlen. Aber nicht den Wert wollte sie zugrunde legen, den die Pappeln in rund fünfzehn Jahren haben werden, sondern nur die reinen Anpflanzungskosten.

Damit waren die braven Gemeindeväter von Weede allerdings keineswegs einverstanden. Sie verhandelten hin, sie verhandelten her, und als der Kreis auf seinem Angebot beharrte, beschlossen sie, ihm die Pappeln nicht zu übereignen. Die Kreisverwaltung jedoch erklärte kategorisch: Die Straße ist jetzt Kreisstraße, also gehören auch die Pappeln dem Kreis.

Jetzt wollen sich die Weeder beim Innenministerium beschweren. Wozu, fragen sie, haben wir eine Demokratie? Und sie sagen: Das gleiche Ministerium, das im ungleich schwierigeren Elmshorner Rathauskrieg die Demokratie gerettet hat, wird das doch wohl auch im Pappelkrieg von Segeberg können...