In Washington hielten diese Woche die Weltbank, der Internationale Währungsfonds und die International Finance Corporation ihre Jahrestagung ab, an der auch Prof. Erhard und Bundesbankpräsident Blessing teilnehmen. Die Konferenz der Weltwährungs-Organisationen stand diesmal unter einem günstigen Stern. Dem erklärten Ziel des Internationalen Währungsfonds (IMF), der freien Eintauschbarkeit oder Konvertibilität der Währungen, ist man seit der letztjährigen Tagung um ein beträchtliches Wegstück nähergerückt. Am vergangenen Jahresende haben 14 westeuropäische Länder ihre Währungen für Ausländer konvertibel gemacht; ein 15. Mitglied, Griechenland, hat sich Ende Mai ebenfalls zu diesem Schritt entschlossen.

Das Ziel einer allgemeinen, weltweiten Befreiung der Währungstransaktionen von behördlichen Beschränkungen ist jedoch bei weitem noch nicht erreicht. Zunächst sollten möglichst viele andere Länder, die dem Währungsfonds angehören (z. Z. sind es 68), ebenfalls aktiv mindestens die Ausländerkonvertibilität anstreben. Außerdem aber ist die in Westeuropa verwirklichte Form der Konvertibilität noch keine perfekte.

In den meisten Ländern wurden die Beschränkungen des internationalen Zahlungsverkehrs nur für Ausländer aufgehoben; Transaktionen der Devisen-Inländer unterliegen dagegen weiterhin behördlichen Kontrollen. Des weiteren gilt die neue Währungsfreiheit nur für Zahlungen „in laufender Rechnung“, d. h. für Zahlungen im Waren- und Dienstleistungsverkehr, nicht aber für internationale Kapitaltransaktionen. Dieser zweiten Einschränkung muß der Internationale Währungsfonds gemäß seinen Satzungen jedoch nicht entgegenwirken. Seine Aufgabe beschrankt sich auf die Befreiung des laufenden Zahlungsverkehrs, wenn auch anzunehmen ist, daß der initiative IMF-Präsident, Per Jacobsson, freie Kapitaltransaktionen sehr begrüßen würde.

Hingegen soll die Ausländer-Konvertibilität möglichst bald durch die Inländer-Konvertibilität ergänzt werden. Diese ist gegenwärtig, de jure, erst in acht Mitgliedländern verwirklicht. (Die wichtigsten darunter: USA und Kanada.) De facto hat auch die Bundesrepublik die D-Mark voll konvertibel gemacht; in seinem Jahresbericht stellt der Internationale Währungsfonds fest, daß mit einer einzigen, unwichtigen Ausnahme das deutsche Publikum in seinen Währungstransaktionen jetzt frei ist. Dennoch genießt die Bundesrepublik noch das Recht, Beschränkungen im Währungssektor wieder einzuführen. Die Frage ist, ob in Zukunft auch Westdeutschland zum Klub der elf Länder mit Voll-Konvertibilität hinzustoßen wird, für die Artikel 8 des Abkommens von Bretton Woods über den Währungsfonds gilt. Den deutschen Währungsbehörden würden dadurch die Hände gebunden: Restriktionen dürften dann nur noch mit Zustimmung des Währungsfonds eingeführt werden. – In Washington wurde vielleicht – neben dem Plan eines zu gründenden Instituts für Entwicklungshilfe, der International Development Association – auch diese deutsche Frage diskutiert J. S.