Reisebücher gibt es, die man mit dem Bewußtsein zuklappt: Bleib ruhig zu Haus, so schön wie der Autor wirst du’s doch nie erleben! Wie sollte ich auch in so kurzer Zeit die fremde Sprache perfekt beherrschen wie er, wie sollte ich in meinen vier Urlaubswochen alle jene Beziehungen anknüpfen, die einem profunde Blicke in die Seele eines Volkes Verschaffen?

Aber nicht alle Reisebücher sind so. Es gibt auch welche, die einem Mut machen, herrlichen Mut, mit wenig Geld viel von der Welt zu schauen. Das Bändchen von

Sybil Gräfin Schönfeldt: „Ganz Europa in der Tasche“; Paul List Verlag, München (List-Buch 124); 181 S., 1,90 DM

ist eines. Es wurde in der Absicht geschrieben, dem Ratsuchenden wirkliche Hilfe zu sein und auch dem Reiseroutinier noch etwas zu bieten. Dieser Reise-Knigge will keine Baedeker ersetzen, jedoch neben wirklich brauchbaren allgemeinen Urlaubstips jene Sitten und Gewohnheiten aufzeigen, die das Pauschalurteil nie erfaßt. Besonders gut gelungen scheint mir, was wir über die österreichische und die französische Mentalität erfahren. Von der manchmal skurrilen Tradition des Österreichers, die niemals so ernst genommen wird, wie es den Anschein hat, meint die Autorin, die es als geborene Österreicherin ja wissen muß, zum Beispiel: „Man ironisiert eben manches lieber, als daß man sich die Mühe macht, es zu ändern.“

An einer Stelle heißt es in dem spritzig geschriebenen Bändchen, das eine gediegenere Ausstattung verdiente: „Man muß ja schließlich etwas von der Reise mitbringen, das man mit keinem teilt.“ Gräfin Schönfeldt hat ein gutes Buch mitgebracht. Günther Specovius