Nicht nur der sowjetische Ministerpräsident hielt vor seinem Rückflug nach Moskau eine Pressekonferenz – auch seine Frau Nina Petrowna stellte sich den Zeitungsleuten. „Solche Interviews sind in meinem Lande nicht üblich“, erklärte sie den achtzehn Reporterinnen, die ihr eine Stunde lang Fragen vorlegten. Aber sie trat doch mit einer erstaunlich lockeren Selbstsicherheit auf. Sie sei 59 Jahre alt, sagte sie ohne Zögern, und ihr Mann sei ein „sehr aufmerksamer“ Gatte.

Frau Nina korrigierte im übrigen die bisher im Westen über ihre Ehe mit Chruschtschow vorliegenden Informationen. Sie hat ihren Mann nicht erst 1938 geheiratet, sondern schon im Jahre 1924, und sie ist die Mutter der drei jüngsten Chruschtschow-Kinder Rada, Sergej und Jelena. Nina Petrowna lernte Chruschtschow in Jusowka im Donezbecken kennen, wo sie „politische Wissenschaften“ lehrte; Nikita studierte damals an der Arbeiterfakultät „auf Bergbauingenieur“. Seine erste Frau ist während der großen Hungersnot zu Beginn der zwanziger Jahre gestorben. Chruschtschows Tochter aus erster Ehe, Julia, war mit in Amerika; ein Sohn aus erster Ehe fiel im zweiten Weltkrieg.

Die erste Dame der Sowjetunion war bis 1944 Lehrerin. In der Schule hatte sie Deutsch und Französisch gelernt. Von 1939 an besuchte sie in Kiew zwei Jahre lang eine Abendschule und lernte Englisch. Heute versteht sie es ohne Mühe (sie liest amerikanische Romane im Original) und spricht es ziemlich gut.

Familie Chruschtschow lebt jetzt in einem großen (staatseigenen) Haus in Moskau und zeitweise im Landhaus an der Moskwa. Frau Nina hat einen Koch, eine Haushaltshilfe und ein Serviermädchen. „Die Hausarbeit liebe ich nicht“, sagte sie, „aber ich arbeite gern im Garten – am liebsten mit meinen Enkeln.“

Zur Politik gab Frau Nina keinen Kommentar. Nur einmal ließ sie sich zu einer politischen Stellungnahme herbei. „Die Außenminister vergeuden eine Masse Zeit mit Streitereien und mit Versuchen, einander zu überzeugen“, sagte sie. „Frauen unter sich würden leichter zu einer Vereinbarung kommen.“

Ob Frau Nina damit sagen wolle, daß sie und Mamie Eisenhower eher eine Lösung der Weltprobleme finden könnten als ihre Männer, wollten die Reporterinnen daraufhin wissen. Das nicht, entgegnete Frau Chruschtschow:

„Auf uns kommt es schließlich weniger an.“ ts