Von Martin Beheim-Schwarzbach

Zu den mancherlei Dichter-Biographien, Lebensbeschreibungen weltberühmter Autoren, von denen namentlich die französischen Großen mit hervorragenden Kennzeichnungen vertreten sind – Balzac, Hugo, Dumas, Proust – gesellt sich nun das Buch

Herbert Roch: „Maupassant, ein Leben“; Gebrüder Weiß Verlag, Berlin-Schöneberg; 276 S., 13,80 DM.

Biographien sind in unserem Buchhandel nach wie vor außerordentlich beliebt, ob sie nun vorwiegend der feuilletonistischen, der pathetischen oder der dokumentarischen Methode folgen. Mit will scheinen, just die französischen Unsterblichen fordern ein Überwiegen des Feuilletonistischen und Anekdotischen heraus, was daran liegen mag, daß sie, als Gallier, der exzentrischen Sphäre besonders nahestehen und in einem Hexenkessel journalistischer Praxis voller Brillanz und Esprit gewachsen und beobachtet worden sind, Wohl kein (geistig) Großer dieser Erde, kein Literat und Dichter liefert so viel Stoff, zum Bewundern, zum Kopfschütteln und zum Lachen wie Balzac oder Dumas Père... doch das ist eine Abschweifung.

Herbert Roch legt besonderen Wert auf die Herausarbeitung der Tragik im Leben Maupassants – seine jugendliche Kraftmeierei, die dann auf dem Umweg der künstlerischen Leistung in das Siechtum und den Wahnsinn überleitete: zwei paradoxe Klammern um einen Lebensinhalt, der von dem literarischen Werk repräsentiert wird und Weltruhm erlangte.

Die Analyse des Werkes kommt dabei ein wenig zu kurz, doch ist die ganze Anlage des Buches, die knapp und von jeglicher Gespreiztheit freigehalten ist, mehr auf das Biographische ausgerichtet. Das hat seine Meriten, ist doch das Leben dieses Dichters ein Roman für sich, der von ihm selber, sei es in Roman- oder Novellenform, geschrieben sein könnte.

Der Autor beherrscht auch das Geheimnis, Zeit und Umgebung Maupassants zwanglos mit aufleuchten zu lassen. Man liest das Ganze gefesselt in einem Zuge durch, um einmal wieder über die ewige Wahrheit belehrt zu werden, daß das Genie ein unheimliches Gut ist, das in den allermeisten Fällen höchst teuer erkauft wird.