DIE ZEIT

Nikita Marco Polo

Nikita Kolumbus, frisch von der Entdeckung Amerikas zurück, hat sich eilends in Nikita Marco Polo verwandelt: Kaum 24 Stunden nach seiner Rückkehr aus Washington flog der sowjetische Ministerpräsident am Dienstag weiter nach Peking, wo Mao Tse-tung das zehnjährige Bestehen der Volksrepublik China feiern läßt.

Gipfel-Puzzle

Nun wird also – die Zustimmung der Alliierten vorausgesetzt – eine Gipfelkonferenz stattfinden. Ob sie aber stattfindet, um die in Camp David gefundene Übereinstimmung zu vertiefen und zu festigen, oder ob sie stattfindet, weil man im Gegenteil in Camp David keine Übereinstimmung erzielte und nicht weiterkam, das wissen wir nicht.

Die Antwort der Algerier

General de Gaulle befindet sich nach der Antwort des FLN auf seine Algerienerklärung in einer höchst unangenehmen Lage. Schon einmal seit seinem zweiten Machtantritt hat er die Reaktion eines Partners im politischen Spiel in verhängnisvoller Weise falsch eingeschätzt.

Kurgast Etzel

Der Bundesfinanzminister, derzeit in Baden-Baden zur Kur, nimmt es offenbar mit seinen Pflichten als Patient nicht so genau, wie aus der Tatsache hervorgeht, daß er als Gast an einer Arbeitstagung teilnahm – wobei sein kurwidriges Verhalten nur deshalb entschuldbar sein mag, weil es sich um einen Ärztekongreß handelte, nämlich um die Jahresversammlung des Hartmannbundes („Verband der Ärzte Deutschlands“).

Junge Nachhut

Es ist das Vorrecht der Jugend, revolutionär zu sein und Denkmäler zu stürzen. Beim Parteinachwuchs in der Bundesrepublik scheint dieses Vorrecht unbekannt zu sein.

Aus Chruschtschows Abschiedsrede

Zweifellos werden Sie verstehen, daß es nicht so leicht ist, all das, was sich in den vielen Jahren des Kalten Krieges angehäuft hat, beiseite zu räumen.

Auszug aus dem Palazzo Chigi

Vor fünf Wochen begann der Umzug des italienischen Außenministeriums – jetzt ist er beendet. Der rostbraune barocke Palazzo Chigi, der jahrzehntelang das Symbol für die italienische Außenpolitik war – wie der Quai d’Orsay für Frankreich und der Ballhausplatz für Österreich –, wartet auf den Einzug eines der vielen Ämter, die bei der zentralistischen Organisation des italienischen Staates Rom ihr Gepräge geben.

Der neue Mann: Schwarz-Frauenholz

Als endlich die Entscheidung gefallen war, daß Heinrich Lübke die Nachfolgerschaft von Theodor Heuss im höchsten Amt der Bundesrepublik antreten würde, erhob sich sogleich die neue Frage: Wo bekommen wir einen neuen Landwirtschaftsminister her, dessen schwierige Funktion es ist, für Produzenten und Konsumenten gleichermaßen zu sorgen .

ZEITSPIEGEL

Der Westen hat den unterentwickelten Ländern in den Jahren 1956 bis 1958 aus öffentlichen Mitteln 8,5 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe gewährt.

Fragen Sie doch Tante Wang

Die „Briefkastentante“ gehört zum Standardrepertoire der westlichen Massenpresse. „Fragen Sie Tante Irene“ – sie weiß in allen Lebenslagen Bescheid, sie kennt die Fall- und Fundgruben der Liebe, und sie hat immer einen guten Rat bereit.

Frau Nina vor der Presse

Nicht nur der sowjetische Ministerpräsident hielt vor seinem Rückflug nach Moskau eine Pressekonferenz – auch seine Frau Nina Petrowna stellte sich den Zeitungsleuten.

Die Grenzen der Kreml-Macht

In seiner Ansprache zum Kriegsende im Mai 1945 verglich Stalin das Sowjetsystem mit einer riesigen Maschine. Die kleinen Rädchen und Schräubchen – das war die Bevölkerung; die Spitzenführer dagegen bedienten die Schalthebel.

Zankapfel Südtirol

Der Streit um die Minderheitenrechte in Südtirol ist ein Anachronismus aus der nationalistischen Ära, der im Zeitalter des europäischen Zusammenschlusses, so sollte man meinen, die Gemüter nicht mehr erregen dürfte.

Der Bischof und die Gewissensnot

Die Abhörgeräte, die in den Wohnungen des katholischen Weihbischofs Bengsch in Ostberlin und des evangelischen Bischofs Noth in Dresden gefunden wurden, gehören zu den konventionellen Waffen der DDR im lautlosen Kampf gegen die Kirche.

Der Pappelkrieg

Schleswig-Holstein ist ein friedliches Land. Dennoch ist es reich an Kriegen. Es sind zwar unblutige Kriege, wie es sich für die Gegenwart geziemt, aber sie werden bis zur letzten Konsequenz ausgefochten.

Nord rhein-Westfalen: „... und wartet ab, bis ich tot bin“

Es war ein schöner Sommer-Samstagnachmittag. Ein Ehepaar, das in friedlicher ländlicher Gegend wohnte – der Mann fast dreißig Jahre alt, die Frau etwas jünger –, nahm seine beiden Kinder an die Hand und ging zum Altersheim, die Großmutter von dort abzuholen.

Ostberlin: Geburtstags-Schuhe

Die „volkseigene“ Schuhfabrik „Goldpunkt“ in Ostberlin bereicherte in diesem Jahr ihr Produktionsprogramm um ein neues Erzeugnis: „Pantoletten“, Holzsandalen mit Lederoberteil.

Sachsen: Pioniere in der Pause

Heidi Hannemann und Manfred Schrepel, beides Mitglieder des Pionierrats der Schloßschule in Köthen, tragen seit Beginn des Schuljahrs neue Würden: sie sind zu Sportorganisatoren – auf deutsch: zu Vorturnern – avanciert.

Kollegin probiert nur

Zu unserem Besten hat es die Post so eingerichtet, daß man das Telephon nicht abstellen kann, ob’s paßt, wenn’s klingelt oder nicht.

Auf dem Mond

Da stehen sie dann, ihrer sieben, im konkaven Krater Flegetonte, in jener lastenden Stille, am Fuß eines unheilvoll steinigen Abhangs von viertausend Meter Höhe, der seltsam wie aus Schatten gemacht scheint, obgleich die Sonne unbeweglich strahlt.

Mythos oder ein klinischer Fall?

Nachdem man das Publikum am Montag (technischer Defekt) und Dienstag (Krankheit des Hauptdarstellers) wieder nach Hause geschickt hatte, hob sich am Mittwoch (23.

Meine traurigen Amerikaner, die lieben den Mond

Bei meinen amerikanischen Schriftsteller-Freunden auf der spanischen Insel braucht man kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Sie sind gutmütig und tolerant und haben sich längst damit abgefunden, daß wir Europäer über Amerika viel besser Bescheid wissen als sie selber – einfach darum, weil wir mehr über Amerika gelesen haben.

Vater des Sachbuches

Es gibt Kenner des Buchmarktes, die behaupten, die große Zeit des Sachbuches sei vorüber; und wenn sie die große Zeit des Sachbuches sagen, dann meinen sie die Auflagenhöhe; und wenn sie die Auflagenhöhe meinen, dann meinen sie „Götter, Gräber und Gelehrte“ und Ceram.

Chruschtschows Auftritt in Hollywood

Mr. K. wird deutsch Chruschtschow geschrieben, englisch Khrushchew; und, wenn ich richtig, informiert bin, russisch Chruschtschoff ausgesprochen (Ton auf der letzten Silbe).

Unser Recht:: Doppeltes Unrecht der Behörden

Zu den Leiden der Bürger gehörte es schon immer, daß Amtspflichtverletzungen der Vertreter der Obrigkeit häufig von anderen Obrigkeiten sehr milde beurteilt wurden.

ZEITMOSAIK

Wichtiges Ergebnis der 73. Kultusministerkonferenz ist der Beschluß, wie in Berlin, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und dem Saarland bereits geschehen, in allen deutschen Ländern das 9.

Bürgermeisterlich gelobte Kritik

Der Einladung für den Film mit dem Allerweltstitel „Rosen für den Staatsanwalt“ ist eine Empfehlung von Max Brauer, Erstem Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, mitgegeben, die sich mit diesem Titel eigentlich nicht verträgt.

Europa in der Tasche

ist eines. Es wurde in der Absicht geschrieben, dem Ratsuchenden wirkliche Hilfe zu sein und auch dem Reiseroutinier noch etwas zu bieten.

Alle die Halbtöne der Liebe

Ein Mann findet in einer alten Ledermappe drei Liebesbriefe und entdeckt, daß ihm seine Frau untreu war. Und er entdeckt darüber hinaus, daß sie über diese Untreue kaum Schuld empfindet.

Ein Forscherleben

Die menschliche Stammesgeschichte – Huxley hat sie „die Frage aller Fragen“ genannt – ist für unser Weltbild von größter Wichtigkeit.

Nr. 40 vom 6. Oktober 1949: Deutscher Blick

Ein Staat, der die Tendenz zeigt, ein Eigenleben zu führen, ist in Gefahr, zum Staatsapparat zu werden. Die Bürger, die sich einen solchen Staatsapparat bieten lassen, sind in Gefahr, früher oder später wieder zum „deutschen Blick“ verurteilt zu werden.

Unser Seller-Teller September 1959

Daß ich das noch erleben würde: ein Proust an der Spitze des Seller-Tellers! Es ist zu schön, um ganz wahr zu sein. Ich werde mit unseren Vertrauensbuchhändlern ernste Gespräche führen müssen.

Genie – ein unheimliches Gut

Biographien sind in unserem Buchhandel nach wie vor außerordentlich beliebt, ob sie nun vorwiegend der feuilletonistischen, der pathetischen oder der dokumentarischen Methode folgen.

Magier und Fanatiker der Sachlichkeit

Daß die lautesten Stimmen nicht unbedingt die weisesten sind, gilt nicht nur auf dem Gebiete der Politik. Es gilt in gleichem Maße auf dem Felde der Kunst – insbesondere der Musikliteratur.

Barlachs Plastik – genau und nah

Der Zugang zu Barlachs Welt ist schwierig. Das liegt nicht am mangelnden Naturalismus, sondern am prononziert Emotionalen, das ihr anhaftet, am Bekenntnishaften und Programmanischen, an der Gefühlsintensität und „Bedeutsamkeit“, die Barlach seinen Gestalten zumutet.

Nordlichter

Es sollte eigentlich ein leichtes sein, drei nordische Dichter unter einen Hut zu bringen, aber es geht nicht: Ihr Format ist zu verschieden.

Der Dichter und die Armut

Die Regel: Gut verdienende Bürger beschreiben die Not des Kleinen Mannes – und die exemplarische Ausnahme

Nach dem Miteigentum der Mitgewinn

Im Hause des Bundesarbeitsministers Blank reift ein neues Projekt zur „Vermögensbildung in Arbeiterhand“ heran. Durch Steuerbegünstigungen soll die Beteiligung der Arbeitnehmer am Gewinn des sie beschäftigenden Unternehmens ermutigt werden – sofern die ausgeschütteten Beträge nicht verbraucht, sondern langfristig gespart werden.

Die Währungspolizei tagt in Washington

In Washington hielten diese Woche die Weltbank, der Internationale Währungsfonds und die International Finance Corporation ihre Jahrestagung ab, an der auch Prof.

ZEIT-RAFFER

Die durch den amerikanischen Stahlarbeitersfreik hervorgerufene Stahlknappheit macht sich in der amerikanischen Automobilindustrie bei dem größten der Konzerne, General Motors, gegenwärtig am stärksten bemerkbar.

Wovon die City spricht: Mr.Jasper und Mr.Grünwald

Londons Jasper-Affäre hat sich noch immer nicht voll entfaltet. Viele Dinge bleiben weiterhin im dunkeln, und bevor das Ergebnis der nun auch vom Handelsminister betriebenen Untersuchungen vorliegt, weiß niemand ganz genau, was eigentlich vor sich gegangen ist.

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