Es ist das Vorrecht der Jugend, revolutionär zu sein und Denkmäler zu stürzen. Beim Parteinachwuchs in der Bundesrepublik scheint dieses Vorrecht unbekannt zu sein. Wer von diesen jungen Politikern erwartet, daß sie ihrer Partei mit neuen Plänen und kühnen Ideen zusetzen, wird bitter enttäuscht.

Da hat die Junge Union am Sonntag auf ihrer Deutschlandtagung in Berlin achtenswerte und nicht ganz unbekannte Forderungen aufgestellt: die Eigentumspolitik soll gefördert und das Bausparen bevorzugt werden, das Parteiengesetz müsse bald verabschiedet werden – Forderungen, die getragen sind von staatsbürgerlichem Verantwortungsgefühl. Recht so!

Und weiter? Die Delegierten haben „die maßgebenden Männer in der CDU und in der Bundesregierung in ihrer Haltung bezüglich der Hallstein-Doktrin“ bestärkt – welch jugendfrische Formulierung! Sie meinten damit jene These, nach der die Bundesregierung die Beziehungen zu jedem Land abbricht, das diplomatische Kontakte zu Ostberlin aufnimmt. Eine These, die für manche gereifte CDU-Politiker heute schon Alterspatina angesetzt hat. Die Junge Union aber wacht getreulich vor diesem Monument des außenpolitischen Immobilismus.

Und die jungen Sozialisten? Wer kürzlich die Konferenz des sozialistischen Studentenbundes in Göttingen erlebt hat, wird gerne zugeben, daß sie der SPD-Führung manches Kopfzerbrechen bereiten. Aber nicht etwa, weil sie neue Ideen entwickelt hätten. Nein, für sie war die SPD zu wenig klassenkämpferisch, zu wenig marxistisch, mit einem Wort: nicht altmodisch genug, ja zu reformerisch. Sie traten auf wie Archivare der Parteigeschichte.

Wo bleibt die junge Avantgarde? Was tut sie? Die Avantgarde pflegt Denkmäler. R. Z.