Mit einer überraschenden Nachricht hat jetzt eine der besten Zechengesellschaften des Ruhrreviers ihren besonderen Beitrag zur Überwindung der Kohlenkrise geleistet. Die Rheinpreußen AG für Bergbau und Chemie, Homberg/Niederrhein, wird sich an die Deutsche Erdöl AG (DEA), Hamburg, anlehnen, um als DEA-Tochter in einem neuen Kohle-Öl-Verbund aufzugehen. Wie die Verwaltungen der beiden Unternehmen bekanntgeben, ist zwischen der Deutschen Erdöl AG und Mitgliedern der Familie Haniel als Mehrheitsaktionären der Rheinpreußen AG ein „Zusammengehen“ beider Unternehmen in Aussicht genommen, das durch den Tausch der Rheinpreußen-Aktien in neu auszugebende DEA-Aktien im Verhältnis 5 : 4 vollzogen werden soll. Begründet wird die Konzentration, die im übrigen Rheinpreußen (zunächst?) als de jure selbständige AG bestehen lassen wird, mit „wesentlichen wirtschaftlichen Gesichtspunkten“:

  • Der Kohlensektor von Rheinpreußen ergibt im Zusammenhang mit den Kohleninteressen der DEA erhebliche Möglichkeiten der Ergänzung und Rationalisierung. Der Strukturwandel auf dem Energiesektor zwinge zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Kohlenzechen; dazu gehöre vor allem die Zusammenfassung zu Interesseneinheiten, die eine bessere Nutzung der vorhandenen Förder- und Absatzmöglichkeiten mit sparsamen Mitteln gewährleisten.
  • Der chemische Sektor bei Rheinpreußen, der auch eine 25prozentige Beteiligung an der Ruhrchemie einschließt, füge sich in seinem Verarbeitungs- und Forschungsprogramm in die auf petrochemischem Gebiet bei der DEA bestehenden Planungen ein. Eine entsprechend fruchtbare Ergänzung werde bei der Vertriebsorganisation der Rheinpreußen GmbH erreicht, an der die Firma Franz Haniel & Cie GmbH ihre bisherige Beteiligung von 30 v. H. aufrechterhält.

Die Nachricht von der beabsichtigten Konzentration, die zu den interessantesten Projekten der jüngsten Zeit gehört, hat im Ruhrgebiet mancherorts wie eine Bombe eingeschlagen. Es gibt höchst unterschiedliche Reaktionen auf die Öl-Ehe. Die Verwaltung der Rheinpreußen AG hatte schon frühzeitig, als die Kohlenkrise im Ruhrbergbau sonst noch nicht einmal als strukturell angesehen wurde, dafür plädiert, durch größere Unternehmenseinheiten krisenfester und rationeller zu werden. Auch in der letztenHauptversammlung klangen diese Gedanken wieder an, die jetzt – freilich in einer nicht erwarteten Form – verwirklicht werden. Die Orientierung nach der Ölseite zerstört nachhaltig die Aussicht, daß die ausgezeichneten Zechen dieser Gesellschaft, die unbestritten zu den „Diamanten“ des Reviers gehören, einmal ein sicherer Hort für ungünstiger arbeitende Anlagen des Ruhrbergbaues werden könnten. Sicherlich war das wiederholte Plädoyer der Rheinpreußen-Verwaltung für Rationalisierungskonzentrationen im Bergbau nicht so verstanden worden, wie sie jetzt verwirklicht werden.

Dennoch handelt diese Bergbaugesellschaft, die schon vergleichsweise frühzeitig die Alarmzeichen am Kohlenmarkt zu lesen verstand und den Mut zur negativen Rationalisierung und Stillegung ihrer Grenzzeche hatte, folgerichtig – und nach den Zeichen der Zeit. Die Strukturwandlungen in der Energiewirtschaft können kaum sinnfälliger zum Ausdruck kommen als durch diesen Schritt.

Die Rheinpreußen-Schachtanlagen sind mit etwa; 5 v. H. an der Steinkohlenförderung und mit 6 v. H. an der Kokserzeugung des Ruhrbergbaues beteiligt. nmn

Beteiligt sind:

Deutsche Erdöl AG, Hamburg Aufsichtsratsvorsitzender: Franz Heinrich Ulrich, Düsseldorf (Vorstandsmitglied der Deutschen Bank). – Vorstands Vorsitzender: Dr.-Ing. E. h. Günther Schlicht, Hamburg.