Der Bundesfinanzminister, derzeit in Baden-Baden zur Kur, nimmt es offenbar mit seinen Pflichten als Patient nicht so genau, wie aus der Tatsache hervorgeht, daß er als Gast an einer Arbeitstagung teilnahm – wobei sein kurwidriges Verhalten nur deshalb entschuldbar sein mag, weil es sich um einen Ärztekongreß handelte, nämlich um die Jahresversammlung des Hartmannbundes („Verband der Ärzte Deutschlands“).

Der Minister-Kurgast wurde dort hart bedrängt mit der Forderung, man möge in der Bundesrepublik endlich, analog der Regelung in den meisten europäischen Staaten, keine Umsatzsteuer mehr vom Arzt-Honorar erheben. Begründung: die geistige Tätigkeit des freiberuflichen Arztes könne steuerlich „nicht wie eine Warenlieferung behandelt werden“.

In der Tat: Dem Unfug sollte ein Ende gemacht werden, daß zwar der Bauer, wenn er Butter verkauft, keine Umsatzsteuer bezahlt, der Arzt indes für seinen Gehirnschmalz mit 4 Prozent belegt wird. Die Umsatzsteuer bei 60 000 Ärzten, 16 000 Rechtsanwälten und 23 000 Architekten.zu erhalten, kostet viele unproduktive Millionen.

Weg mit dieser Steuer – sonst ist das Wort „Mittelstandshilfe“ nur ein Geschwätz! G. K.