Die Auseinandersetzungen über den Bezugskurs für die jungen Aktien der Badische Anilin-& Sodafabrik AG sind vorüber. Sie haben – das lesen Sie auf Seite 18 dieses Blattes – auf einem hohen Niveau und in großer Sachlichkeit stattgefunden. Wenn wir das Thema Kapitalerhöhungen, meine verehrten Leser, im Zusammenhang mit der BASF-Transaktion in unseren Gesprächen so ausführlich erörtert haben und uns auch heute noch einmal darüber unterhalten werden, dann geschah es, weil wir vor einer großen Anzahl von Kapitalerhöhungen stehen und Sie, meine verehrten Leser, immer wieder vor die gleichen Fragen gestellt werden. Gegen jeden Verwaltungsvorschlag, das Kapital zu diesen oder jenen Bedingungen zu erhöhen, wird neuerdings Opposition angemeldet. Soweit Sie Ihre Aktien in einem Bankendepot liegen und Ihre Bank mit der Wahrnehmung des Stimmrechts beauftragt haben, erhalten Sie von ihr (wenn die Opposition termingerecht und ordnungsmäßig angezeigt worden ist) eine Benachrichtigung. Wenn Sie die Argumente der Opposition billigen, können Sie Ihre Bank beauftragen, gegen den Verwaltungsvorschlag zu stimmen. Das sollten Sie aber nur dann machen, wenn Sie sich mit den Argumenten beider Parteien bekannt gemacht haben und dabei zu der Einsicht gelangen, daß der Vorschlag der Verwaltung nicht Ihren Interessen (und auch nicht denen Ihrer Gesellschaft) entspricht

Heute wollen wir uns, meine verehrten Leser, über die Frage unterhalten, welchen Weg die BASF hätte gehen können, um den hohen Bezugskurs von 300 v. H. zu vermeiden, und doch die 250 Mill. DM, die sie für ihre Investitionsfinanzierung brauchte, „ins Töpfchen“ zu bekommen. Dr. Johannes Semler, Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, hat in seinem „Plädoyer für niedrige Bezugskurse“ eine entsprechende Rechnung aufgemacht, der wir in unserem Gespräch folgen wollen. Er schlug vor, das Kapital nicht im Verhältnis 7:1 zu 300 v. H. um 88 auf 700 Mill. DM zu erhöhen, sondern im Verhältnis 7:3 zu 100 v. H. Dann wäre das Kapital aber nicht nur um 88, sondern um volle 264 Mill. D-Mark aufgestockt worden. Für den Aktionär bedeuten beide Möglichkeiten die gleiche Belastung, denn der von ihm aufzubringende Betrag ist in beiden Fällen der gleiche.

Die Verteidiger hoher Bezugskurse führen die Diskussion mit folgenden Thesen:

1. Einer Aktiengesellschaft ist es nicht ohne weiteres möglich, für neues zu pari (also zu 100 v. H.) aufgenommenes Aktienkapital eine gleich hohe Dividende zu erwirtschaften, wie für das bereits lange in der Gesellschaft arbeitende (das also in mehreren Jahren zur Bildung nicht verzinsbarer stiller und offener Reserven beigetragen hat).

2. Der hohe Bezugskurs bei Kapitalerhöhungen soll eine Entlastung der Gesellschaft bei der Verzinsung des Aktienkapitals bewirken. Verzinst wird nur das neue Nominalkapital. Alle Beträge, die über den Parikurs der Gesellschaft zufließen, kann sie als unverzinsliches Kapital ansehen.

3. Der hohe Bezugskurs verhindert die Verwässerung des Kapitals. Er ermöglicht, daß auch in weniger guten Geschäftsjahren an der alten Dividende festgehalten werden kann. Er sichert die Dividendenkontinuität.

Diese Argumente ziehen nur, wenn man voraussetzt, daß die Aktionäre an der Aufrechterhaltung der hohen Dividende wirklich interessiert sind. Wer ein wenig rechnet, kommt aber schnell zu dem Schluß, daß eine hohe Dividende bei hohen Bezugskursen letzten Endes nur optisch eine gute Sache ist.