Es sollte eigentlich ein leichtes sein, drei nordische Dichter unter einen Hut zu bringen, aber es geht nicht: Ihr Format ist zu verschieden. Nur das Klima ihrer Landschaft ist das gleiche, nicht das seelische. Einer der Autoren ist bereits beim Nobelpreis angelangt; einer hat als Schriftsteller noch ein gutes Stück Weges zu gehen; der Dritte, hochbegabt und weise geworden, ist erblindet. Der Weltbürger aus Island –

Halldór Laxness: „Die gute Jungfrau“; deutsch von Ernst Harthern; Rowohlt Verlag, Hamburg; 216 S., 10,80 DM

– der Nobelpreisträger Laxness, der acht Jahre lang auf der Liste der Preisanwärter stand, ist ein katholisch gewordener „freier Linkssozialist“. Aber in den Kurzgeschichten dieses Bandes ist weder vom Katholizismus noch vom Kommunismus etwas zu merken. Wenn von einer Zielsetzung die Rede sein kann, so ist es die, den Menschen von Island, am Rande der Welt, den Weg aus ihrem kärglichen und einsamen, von kleinbürgerlichem Stolz und von Selbstsucht geplagtem Dasein zurück zu echten Werten zu zeigen.

Davon handelt auch die Titelnovelle, die Geschichte der schönen Jungfrau Rannveig, die sich in ihrem heimischen Milieu so wunschlos glücklich fühlt, daß sie die für Bürgertöchter übliche Reise immer wieder hinausschiebt – bis sie mit dreißig doch die gutbürgerliche Männersuche antreten muß. Und das unvergleichlich tugendhafte Mädchen kehrt mit einem Kind unter dem Herzen zurück, ohne Bräutigam. Die entsetzte Verwandtschaft greift zu drastischen Mitteln, um die Familienehre zu retten, zu Mitteln, in denen bei aller Tragik viel erfrischende Komik steckt.

Bemerkenswerter als diese 90 Seiten lange Novelle erscheinen die anderen Kurzgeschichten des Bandes, die auf wenigen Seiten mehr an schlichter Klarheit bieten als so manches dicke Buch – so in den dreizehn Seiten der Geschichte „Der Hering“, in der ein ganzes isländisches Fischerdorf gestaltet ist.

Ein junger Däne des Jahrgangs 1919 Paul Oerum: „Tilge deine Spur“; deutsch von Fritz Nothardt; Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart; 216 S., 12,80 DM,

begann als Torfarbeiter, Viehzüchter, Seemann und wurde Journalist, bis er sich aufs Bücherschreiben legte. „Tilge deine Spur“ ist mithin eine Art Autobiographie nach rückwärts, denn sie schildert den Weg eines leergeschriebenen Journalisten zurück zum Torf, wo er hofft, ein echtes, wirklichkeitsnahes Leben führen zu können. Die Frau, mit deren Hilfe er den Weg zurückgeht, bleibt aber ziemlich schattenhaft. Plastischer wird das Dasein der Torfstecher und des Bauernpaares, bei dem er Unterkunft findet. Aber das Buch als Ganzes ist keinesfalls unentbehrlich.