Ebenfalls Däne und ebenfalls Journalist ist Karl Bjarnhof: "Frühe Dämmerung", deutsch von Albrecht Leonhardt; Bertelsmann Verlag, Gütersloh; 318 S., 11,50 DM.

Aber er ist auch ein hochbegabter Schriftsteller. Als Knabe erblindete er, und seinen schweren Gang ins Dunkel schildert er mit beneidenswertem Sehvermögen. Nicht nur seine Umwelt, die häßliche Kleinstadt, wird lebendig, auch er selber, der seine Tragödie in der Sprache des Kindes erzählt, seine Mutter, seine Freunde und Feinde, die Lehrer und die Insassinnen des Heims für blinde Mädchen.

Der Knabe, der sein Augenlicht verliert ist ein hochintelligentes Kind, das stets die Wahrheit denkt und kaum je die Wahrheit spricht. Er lügt, weil er sein möchte wie alle andern und sein mangelndes Sehvermögen zu verbergen sucht. Er beschwindelt den Augenarzt, einen Landbader, indem er die Buchstaben auf der Sehtafel auswendig lernt. Er fürchtet die Zukunft in einem Blindenheim weniger als die gegenwärtige Herzlosigkeit seiner Mitschüler und Bekannten. Seine Mutter, die tagaus, tagein Papiertüten klebt, wagt sich an die nahende Tragödie nicht recht heran, bis es zu spät ist. Und so endet alles mit der Reise eines einsamen, fast völlig blinden Knaben nach Kopenhagen ins Blindenheim, der Reise aus der Stumpfheit des Kindes zur inneren Reife des Mannes.

Dort hofft er endlich so zu sein wie alle anderen. Aber auch das erfüllt sich nicht, denn für ein Blindeninstitut ist er nicht blind genug. Das Tor schließt sich hinter ihm.