... und liberalisiert die Einfuhr aus dem Dollar-Raum

J. K., Paris, Ende September

Die großen Ferien sind vorüber, Frankreich hat sich wieder mit Volldampf, an die Arbeit gemacht. Die Produktion dürfte in Kürze wieder den im Frühsommer erzielten Rekordstand erreichen. Die Expansion hält sich jedoch in normalen Grenzen. Von einer Konjunkturüberhitzung kann keine Rede sein, zumal die Konjunkturerholung noch nicht alle Wirtkschaftszweige erfaßt hat.

Depressions-Ängste

Eine besondere Stellung nimmt die Automobilindustrie ein, deren Produktion zwar weiterhin auf Hochtouren läuft, die aber für diesen Winter mit einer überdurchschnittlichen Schrumpfung der Inlandnachfrage rechnet. Zwar sieht sie bereits seit über einem Jahr diese Gefahr auf sich zukommen, weshalb sie ihre Exportanstrengungen denn auch mit Erfolg verstärkt hat – sie exportiert gegenwärtig etwa 45 v. H. ihrer Produktion –, aber der Binnenmarkt zeigt ohne Zweifel nach den stürmischen Jahren seit 1950 nun deutliche Zeichen der Sättigung, die auch durch Verkaufserleichterungen und Preisnachlässe, wie sie dieser Tage einige Firmen vornahmen, nicht ohne weiteres überwunden werden kann. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Automobilindustrie, eine der Schlüsselindustrien des Landes, in einigen Monaten vor die Entscheidung gestellt sein wird, entweder einen Teil der Produktion auf Lager zu legen oder die Produktion einzuschränken und Arbeiter zu entlassen.

Die Finanzlage des Staates hat sich weiter konsolidiert. Finanzminister Pinay kommt auch in diesem Jahr ohne große Staatsanleihe aus. Das Haushaltsdefizit von rd. 600 Mrd. ffr. konnte mühelos durch Ausgabe kurzfristiger Schatzscheine gedeckt werden. Pinay hat es durchgesetzt, daß auch im nächsten Jahr der Fehlbetrag des Staatshaushalts die Summe von 600 Mrd. ffr. nur wenig (2 Mrd.) überschreiten wird. Da die private Ersparnisbildung infolge der Konsolidierung des Vertrauens erheblich zugenommen hat – sie wird für das laufende Jahr auf rd. 1000 Mrd. ffr. geschätzt –, dürfte auch die Deckung des nächstjährigen Fehlbetrags keine Schwierigkeiten bereiten.

Die enorme Zunahme der privaten Ersparnisse stellt indessen die Regierungsstellen vor ein ernstes Problem: Die private. Investitionstätigkeit hat sich nämlich bisher nur ungenügend entwickelt, so daß die Gefahr besteht, daß ein größerer Teil der Liquidität sich wieder dem Konsum zuwenden wird. Ihre steuerliche Abschöpfung ist ein Weg, den auch die Regierung, de Gaulle nicht einschlagen möchte. Die Förderung der privaten Investitionstätigkeit durch den Staat stößt ebenfalls auf Grenzen. Das komplizierte Besteuerungssystem und der enorme Geldbedarf des Staates lassen ihm nur wenig Bewegungsfreiheit, Außerdem wird die private Investitionstätigkeit weiterhin durch hohe Zinssätze (9 v. H. und mehr) gehemmt. Das Risiko einer Geldentwertung spielt bei der Zinsbildung immer noch eine erhebliche Rolle. Die Regierung konnte zwar dieses Risiko verringern, aber noch nicht beseitigen.