DK, Hagen

Es war ein schöner Sommer-Samstagnachmittag. Ein Ehepaar, das in friedlicher ländlicher Gegend wohnte – der Mann fast dreißig Jahre alt, die Frau etwas jünger –, nahm seine beiden Kinder an die Hand und ging zum Altersheim, die Großmutter von dort abzuholen.

Nicht nur sie abzuholen, sie abends wieder dort abzuliefern, hatte das junge Ehepaar im Sinn. Es war ein armes Ehepaar, und dem Manne genügte es, die Schwiegermutter einen halben Tag lang zu Gaste zu haben.

Ein Fußweg von zehn Kilometern heißt – freiwillig genossen – Spaziergang. Die fünfköpfige Familie W. aber ging zu Fuß, weil ihr das Geld für den Autobus fehlte. Es war sehr heiß.

So kam es, daß die Stimmung der Wanderer nicht eben fröhlich war. Sie wurde nicht besser, als die Großmutter erklärte, sie würde auf keinen Fall in das Altersheim zurückkehren. Tochter und Schwiegersohn aber sagten, bei ihnen könne sie bestimmt nicht dauernd bleiben. Sie wolle niemandem zur Last fallen, sagte daraufhin die Mutter und Großmutter, sie werde dann eben ihrem Leben ein Ende machen.

Auch wie sie diesen traurigen Entschluß zu verwirklichen gedenke, teilte sie mit. Sie kannte die Gegend und wußte, daß bald ein Teich erreicht sein würde. In diesem Teich wolle sie sich, so sagte sie, ertränken. Oder ob man etwas anderes vorzuschlagen hätte, fragte sie. Der Schwiegersohn gab Auskunft: es gäbe da ja noch den anderen Teich, in den der Staudamm führe.

Gemeinsam ging man den Umweg dorthin. Daß es ein Umweg war, wußte auch die Großmutter. Mit welchen Empfindungen oder Hoffnungen sie den Umweg machte, ist nicht bekanntgeworden. Bekannt ist nur, daß sie schon früher gelegentlich Selbstmordversuche vorgetäuscht hatte.