Es war sehr heiß, die Sonne brannte. In der Nähe des Teiches setzte man sich nieder. "Bleibt hier sitzen", sagte die Großmutter, "und wartet ab, bis ich tot bin."

Die Tochter glaubte sie so zu verstehen, da! sie beim Selbstmord nicht gestört werden wolle Sie nahm ihre kleinen Kinder bei der Hand und entfernte sich. Und Großmutter ging nun zum Staudamm, setzte sich nieder und ließ die Füße ins Wasser baumeln. Das schien dem Schwiegersohn denn doch dafür zu sprechen, daß sie es diesmal ernst meinte. Er ging zu ihr. "Stoß mich ins Wasser!" sagte die Schwiegermutter. Erhoffte sie Widerspruch? Oder wollte sie es wirklich?

Ihr Schwiegersohn nahm die Aufforderung ernst. Befolgen aber wollte er sie nicht. Rat allerdings gab er ihr: "Laß dich einfach vornüberfallen

Und plötzlich war Großmutter im Wasser. Sein Mensch kann sagen, wie das geschah. Denn anwesend war nur der Schwiegersohn. Er aber weiß es nicht.

Lange dauerte es nicht, bis Großmutter um Hilfe rief. Aber Hilfe kam nicht. Die unglückliche Frau ertrank. Am nächsten Tag fand man ihre Leiche.

Schwiegersohn und Tochter wurden verhaftet. Das Schwurgericht Hagen in Westfalen verurteilte beide zu je vier Jahren Gefängnis. Die Tochter nahm das Urteil an. Ihr Mann legte Revision ein. Er hatte damit Erfolg – für sich und seine Frau, da das Urteil bei beiden auf dem gleichen Fehler beruhte.

Es zeigte sich, daß der Fall schwierige Rechtsprobleme enthält. Die Beihilfe zum Selbstmord ist nach deutschem Recht nicht strafbar. Und hatten die Angeklagten etwas anderes getan, als der Mutter Beihilfe geleistet, indem sie sie nicht am Selbstmord hinderten? Das Schwurgericht war auf einen anderen Gedanken gekommen: Es hatte die Angeklagten wegen "Tötung auf ausdrückliches und ernstliches Verlangen" verurteilt.