Daß ich das noch erleben würde: ein Proust an der Spitze des Seller-Tellers! Es ist zu schön, um ganz wahr zu sein. Ich werde mit unseren Vertrauensbuchhändlern ernste Gespräche führen müssen. Gewiß: dem Prestige anzukündigen, dieses Buch habe sich am besten verkauft, entspricht das Prestige, das daraus gewonnen wird, in eine führende Buchhandlung zu gehen und ein Werk von Proust zu verlangen. Und dazu kommt: die Bücher der Neunzehn haben sich mehr und mehr zu einem Markterfolg ganz eigner Art entwickelt. Die Zahl der Leute, die jedes dieser Bücher kaufen – weil die Auswahl wirklich vortrefflich ist oder weil sie das Gefühl haben, auf diese Weise offensichtlich mehr als 10 Mark zu „sparen“ – muß schon in die Tausende gehen. Trotzdem: diesem „Best-Seller des Monats“ gegenüber bleibe ich vorerst noch ein bißchen skeptisch. Direktor Grzimeks Tierbuch-Erfolg hingegen war durchaus zu erwarten und würde durch Film- und Pressekampagnen noch gefördert. Ähnliches gilt für William S. Schlamm, zum dritten Male auf dem Seller-Teller der ZEIT.

Wieder eher dem Proust vergleichbar ist der beachtliche Erfolg Heinrich Manns. Dem Verlag darf man gratulieren, daß eine Aufgabe, die zunächst für ihn mehr eine vornehme Pflicht sein mußte, sich offenbar auch kommerziell zu lohnen beginnt.

Bleibt das Buch mit dem seltsamen Titel vom Fahrstuhl – wieder einmal eines jener vorzüglichen Sachbücher, durch die der Econ-Verlag sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht hat, der aus der Liste der deutschen Verlage, „die zählen“, nicht mehr wegzudenken ist.

Beinahe mit hineingekommen wäre übrigens auch ein schöner Unterhaltungsroman: „Lady L.“ von Roman Gary (Piper Verlag, München; 12,80 DM) – der einzige Unterhaltungsroman. Frage: Wollen deutsche Leser nicht unterhalten sein, oder wollen deutsche Buchhändler Unterhaltungsromane nicht am besten verkauft haben? Leo