Es gibt Kenner des Buchmarktes, die behaupten, die große Zeit des Sachbuches sei vorüber; und wenn sie die große Zeit des Sachbuches sagen, dann meinen sie die Auflagenhöhe; und wenn sie die Auflagenhöhe meinen, dann meinen sie „Götter, Gräber und Gelehrte“ und Ceram. Vielleicht meinen sie auch noch Paul Hermann, dessen drittes Buch („Träumen, Wagen und Vollbringen“) soeben erschienen ist; vielleicht noch Herbert Wendt, der mit „Ich suche Adam“ sich so schnell und nachdrücklich in die Reihe der Erfolgsautoren hineinschrieb, vielleicht jenen bis vor einigen Jahren unbekannten Mann namens Keller, der faszinierter noch als sein Verleger dem unerwarteten und geradezu bestürzenden Ansteigen der Auflage seines Buches „Und die Bibel hat doch recht“ zusah. Wen sie ganz gewiß nicht meinen, ist der, den man zuallererst meinen müßte, wenn man vom deutschen Sachbuch spricht – ist Heinrich Eduard Jacob.

Dieser Heinrich Eduard Jacob, Dr. phil. und einstmals Redakteur, wie der Kürschner Literaturkalender ausweist, der jetzt 70 Jahre alt wird, ist eigentlich der Mann, der in den frühen dreißiger Jahren die ersten deutschen Sachbücher mit Welterfolg schrieb. Da ist wohl Grund genug, heute von ihm zu sprechen, wenn man einen Augenblick darüber nachdenkt, daß unser Volk „der Dichter und Denker“ in den letzten 25 Jahren wenig Dichter von Rang, wohl aber Sachbuchschreiber von internationaler Qualität hervorbrach

Als Jacob 1934 „Sage und Siegeszug des Kaffees“ herausgab, war damit ein Buchtyp geschaffen, in dem der „Held“ kein Mensch – sondern eben der Kaffee war. Die großen Erfolge, die Karl Alois Schenzinger wenige Jahre später mit „Anilin“ errang (es ist nicht recht, den Berliner Arzt nur als den Autor des „Hitlerjungen Quex“ in Erinnerung zu haben), folgten Jacob nach; er war es, der das Sachbuch in seiner modernen Form in Deutschland geschaffen hat. Berühmter wohl noch als die Kaffee-Biographie wurde „Sechstausend Jahre Brot“, das der Emigrant auf englisch schrieb und dann später ins Deutsche rückübersetzen mußte.

Auch Jacob begann einst mit Poesie – und er begann nicht schlecht. Es gibt auch ganz bezaubernde kleine Romane von ihm. Er aber wandte sich bald den harten Tatsachen zu als ein Mann, der begriffen hatte, daß die Dichter zuviel „lügen“.

Viele nach ihm sind diesen Weg gegangen – stehen wir jetzt an seinem Ende? Sollen jetzt die Dichter wieder gehört werden? Den siebzigjährigen Heinrich Eduard Jacob könnte solche Wendung nicht schrecken – er ist ja eben auch in der Poesie zu Hause. p. h.