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Stoßseufzer der Woche

"Manchmal scheint es, als handele China stolz und arrogant wie eine Nation aus dem 19. Jahrhundert und ignoriere dabei den Rest der Welt."

Jawaharlal Nehru,

indischer Ministerpräsident

"Zu den Schrecken des Todes gehört das Bewußtsein, daß man wehrlos Historikern und Biographen ausgeliefert ist!"

Winston Churchill

"Die Welt gehört den Optimisten."

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François Guizot

französischer Ministerpräsident im 19. Jahrhundert

*

"Das Bridgespielen ist eine gefährliche Sportart – man hat ständig blaue Flecken an den Schienenbeinen!"

Selwyn Lloyd

britischer Außenminister

Propaganda-Millionen

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Der Westen hat den unterentwickelten Ländern in den Jahren 1956 bis 1958 aus öffentlichen Mitteln 8,5 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe gewährt. Nach einer Statistik der Londoner Sonntagszeitung Observer beliefen sich die privaten Investitionen im gleichen Zeitraum auf 5,9 Milliarden Dollar. Demgegenüber hat der Sowjetblock trotz großer Propaganda den Entwicklungsländern von 1955 bis 1958 nur 1,59 Milliarden Dollar bewilligt, von denen zudem erst 950 Millionen ausgegeben wurden.

Neues Mekka: Peking

Peking hat anscheinend die ideologische Führung der Kommunisten im Irak an sich gezogen. Der irakische Außenminister Hachim Jawad meinte, Peking, nicht Moskau, stachle sie zum Staatsstreich auf. Sowjetische Diplomaten hätten sich des öfteren bei ihm für die Aggressivität der irakischen Kommunisten entschuldigt.

Streit um Südwestafrika

Die UN-Treuhandschafts-Kommission hat ihre Besprechungen mit der südafrikanischen Regierung über das Territorium von Südwestafrika ergebnislos abgebrochen. Die ehemalige deutsche Kolonie war nach dem ersten Weltkrieg vom Völkerbund unter südafrikanische Verwaltung gestellt worden. Die Vereinten Nationen, die sich als Nachfolgeorganisation des Völkerbundes betrachten, wollen jetzt das Gebiet in ihr Treuhandsystem übernehmen. Die südafrikanische Regierung dagegen beharrt auf dem Standpunkt, daß mit dem Ende des Völkerbundes auch dessen Mandat über Südwestafrika erloschen sei.

Verlustliste

Jean-Jacques Babel, ein Schweizer, der sich als Weltbürger Nr. 1 bezeichnet, hat ausgerechnet, daß im Verlauf der letzten 5559 Jahre Menschheitsgeschichte 14 513 Kriege geführt wurden. Fazit: 3 Milliarden 640 Millionen Tote.

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DDR-Wanderausstellung in England

In einem abgelegenen Londoner Hotel wurde am Montag eine Ausstellung der Sowjetzone eröffnet. Unter dem Motto "Das Leben in der Deutschen Demokratischen Republik" werden die Errungenschaften des Sozialismus in Mitteldeutschland und die Erfolge des wirtschaftlichen Wiederaufbaues dargestellt. Die Ausstellung wird in 18 englischen Städten gezeigt.

Franzosen streiken

Die laotische Regierung ist verstimmt über die mangelnde Aktivität der französischen Militärberater. Ein Regierungsmitglied äußerte: "Die Franzosen streiken. Wenn wir sie um Rat fragen, sagen sie, sie seien nicht zuständig. Sie sind nicht bereit, unseren Kampf gegen die Rebellen zu unterstützen." Die Franzosen dagegen, die von den Amerikanern als Berater mehr und mehr verdrängt werden, beschuldigen die Regierung von Laos, die Rebellentätigkeit maßlos übertrieben zu haben, um amerikanische Hilfe und harte Dollars zu bekommen.

Letzte Warnung?

Die Chinesische Volksrepublik hat jetzt die 71. "ernste Warnung" an die Vereinigten Staaten gerichtet. Ein amerikanisches Kriegsschiff habe, so meldet die Agentur "Neues China", die chinesischen Hoheitsgewässer auf der Höhe von Pingtan verletzt.

Nur theoretisch

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Japanische Wissenschaftler sollen während des letzten Krieges an der Konstruktion einer Atombombe gearbeitet haben, behauptet Dr. Haruzo Imai, ein Physiker aus Tokio, der vor 1945 in der Rüstungsindustrie beschäftigt war. Er wisse aus zuverlässiger Quelle, daß die japanischen Wissenschaftler das Problem theoretisch gelöst hätten. Es sei ihnen jedoch nicht mehr möglich gewesen, eine Bombe zu bauen.

Scherben

Der Londoner Monteur John Roderick Wynne-Taylor gab seiner Abneigung gegen den Faschismus dadurch Ausdruck, daß er mit einer Flasche die Fensterscheibe in Sir Oswald Mosleys Wahlhauptquartier einwarf. Er wurde zu zwei Pfund Geldstrafe verurteilt und muß die zerbrochene Scheibe (Wert zehn Pfund) ersetzen.

Montys neuer Feldzug

Der pensionierte englische Feldmarschall Montgomery hat einen neuen Feldzug eröffnet: In Plymouth wetterte er gegen den Plan eines Kanaltunnels, der England mit dem Festland verbinden soll. Seit über tausend Jahren hätte man auf der Insel keine Lagerfeuer der Eroberer mehr gesehen. Jeder Unterhauskandidat, der in Wahlreden das Tunnelprojekt unterstütze, arbeite gegen die erprobte englische Strategie. Diese Strategie, erklärte Montgomery, "basiert auf unserer Seemacht und der Unverletzlichkeit unserer Insel".