Im Sommer 1952 fingen sie an – genau nach Rodens Plan. Er holte Mischker eines Nachmittags am Düsseldorfer Eisstadion ab und sagte: "Fahr mal Richtung Bielefeld." Hinter dem Ruhrgebiet machte sich Roden Notizen: Die Nummern der Kilometersteine links und den voraussichtlichen Ertrag auf den Weiden rechts. Roden: "Es schien mir am günstigsten, an der Autobahn zu arbeiten. Da gibt es keine Radfahrer und Fußgänger. Autofahrer müssen nachts auf die Fahrbahn achten."

Irgendwo aßen die beiden zu Abend. Später im Dunkeln kehrten sie um. An einer bestimmten Stelle stieg Roden aus. Mischker mußte sich den Kilometerstein merken und bekam gesagt: "In dreißig Minuten bist du wieder da." Einmal machten sie es so, hundertmal, zweihundertmal...

Roden zog sich Arbeitskleidung an und ging auf die Weide. Er trug eine Aktentasche bei sich, die einen Bolzenschuß-Apparat, zwei Fleischermesser und eine Drahtschere enthielt. Roden taxierte das Vieh, wählte ein – später auch zwei oder drei – Stück aus, tötete die Tiere mit dem Apparat, zerlegte sie fachgerecht und schleppte die einzelnen Teile zur Autobahn. Dort deckte er im Graben alles mit Zweigen zu.

Wenn Mischker kam, hatte er Signal mit dem Winker zu geben. Signalisierte Roden zurück, dann hielt er. "Später hatte ich in weniger als 30 Sekunden alles verladen..." Das Fleisch kam in den Kofferraum oder hinten in den Wagen, wenn es viel war. Man hatte die Rücksitze entfernt. Auch Wasser und Seife waren da, mit denen sich Roden die Hände wusch. Es war alles ganz perfekt. Auch ein Säckchen hatte er mit: Für die Zungen.

In Düsseldorf trennte Roden noch in der gleichen Nacht das Fell ab und drückte ein selbst-, hergestelltes Autoreifen-Siegel auf das Fleisch: "Tierärztliche Untersuchung – Schlachthof Düsseldorf. Heute sagt er: "Da hat nicht mal die Kontrolle etwas gemerkt." Derweil mußte Mischker den Wagen reinigen und die Rücksitze wieder einbauen.

Fünfhundert bis 1500 Mark brachte jedes Tier ein. Roden: "Mischker bekam zunächst 200 pro Tier. Aber da habe ich mir gesagt: Da betrügst du dich ja selbst. Da habe ich Mischker nach Gewicht bezahlt: Je Kilo 1,20 DM..." Aber Mischker bekam noch Kilometergeld abgezogen: Zehn Mark pro hundert Kilometer als Unkostenanteil.

Insgesamt 229mal sollen die beiden zusammen losgefahren sein, achtzehnmal Roden allein. Nun sagt Mischker, er habe kaum etwas verdient an der Sache. Und mitgefahren sei er höchstens hundertmal. Aber Roden ist geständig, und die Zweite Große Strafkammer vom Landgericht Düsseldorf hat kaum Arbeit mit ihm. Roden gibt auch zu, wo er das viele Geld gelassen hat, denn bei solch schönen Einnahmen waren die Steuerschulden ja bald bezahlt: Das Geld schluckten die Spielbanken in Bad Neuenahr, Travemünde, Bad Homburg, Ostende und Spa.