Im Londoner Auktionshaus Christie wurde ein seltenes Buch versteigert, eine „UTOPIA“ von Thomas Morus, 1548 gedruckt, mit zwei anderen Werken in einen Band gebunden.

Erhöht wurde der Wert des Bandes dadurch, daß er außer anderen Eigentümervermerken aus der Elisabethanischen Zeit auch die Unterschrift Sir Alexander Fittons trug.

Und damit wird die Geschichte spannend. Denn aus dieser Familie Fitton stammte die Hofdame Elisabeths I., Mary Fitton, die heute ziemlich allgemein als die „dunkle Dame“ gilt, an die so viele Sonette Shakespeares gerichtet sind. William Herbert, der junge Graf Pembroke, war einer ihrer Liebhaber, was ihn beinahe den Kopf kostete. Und dieser Band Morus trägt noch einen Eigentumsvermerk, die Initialen „W. H.“. Die gleichen Buchstaben erscheinen ja – eines der großen Rätsel der Weltliteratur – auf der berühmten, nie ganz befriedigend gedeuteten Widmung der Shakespeareschen Sonette: „Dem einzigen Urheber der nachfolgenden Sonette, Mr. W. H.“

Wenn es gelänge, die Initialen auf ihren Träger zurückzuverfolgen, dann wäre vielleicht die Frage beantwortet, wer der „helle Jüngling“ war, dem der erste Teil der Sonette gilt. Und die Vorgeschichte eines der geheimnisvollsten Gedichtzyklen aller Zeiten zu kennen, wäre unvergleichlich mehr wert als die zwölf tausend Mark, die ein amerikanischer Buchhändler für diesen Band bezahlt hat. d.n.