J. K., Paris, Anfang Oktober

Die Verwirklichung des Stahlwerk-Projektes in Dünkirchen – bisher ist lediglich mit den Arbeiten an der Infrastruktur begonnen worden – ist durch den Beschluß der Luxemburger Hohen Behörde, der Société Dunkerquoise de Siderurgie eine Bürgschaft für Anleihen bis zum Höchstbetrag von 15 Mill. Dollar (etwa 12 v. H. der Gesamtkosten) zu gewähren, um einen großen Schritt näher gerückt. Es kann damit gerechnet werden, daß die Gesellschaft demnächst eine Anleihe auflegen und die Arbeiten zur Durchführung dieses Planes beschleunigen wird.

Die Société Dunkerquoise de Siderurgie ist eine Gemeinschaftsgründung der drei großen französischen Montangesellschaften Usinor, Firminy und Châtillon-Commentry; dahinter stehende Großbanken Banque de Paris et des Pays-Bas und Banque de l’ Union Parisienne. Das Projekt sieht den Bau eines sogenannten Wasserhüttenwerkes mit einer Anfangskapazität von 500 000 t im Jahre 1962 vor. Später soll sie auf 1,5 bis 2 Mill. t gebracht werden. Die angeschlossenen Walzwerke sollen anfänglich 350 000 Schiffsbleche herstellen.

Dünkirchen wird das modernste Stahlwerk Europas werden, dessen günstige Standortbedingungen – gesamte Rohstoffzufuhr auf dem Wasserweg – eine Verminderung der Produktionskosten um 15 bis 20 v. H. gewährleisten sollen. Aus diesem Grunde besteht auch der Plan, einen erheblichen Teil der Produktion zu exportieren. Insbesondere das „große Exportgeschäft“, d. h. der Export nach Überseeländern, soll gepflegt werden. Zu diesem Zwecke ist auch eine Modernisierung der Hafenanlagen von Dünkirchen vorgesehen. Die gesamten Baukosten werden auf 60 bis 70 Mrd. ffrs. (120 bis 140 Mill. US-Dollar) veranschlagt, wovon der Staat gemäß der üblichen Finanzierungsformel für derartige Modernisierungsprojekte etwa 15 bis 17 Mrd ffrs. (ein Viertel der Gesamtkosten) vorschießen wird.

Die Verhandlungen mit dem Finanzministerium sind bereits vor einiger Zeit praktisch zum Abschluß gekommen. Die inzwischen aufgetretenen Schwierigkeiten in der Durchführung und Finanzierung des Stahlwerkprojektes von Bône (Algerien) scheinen aber auch die endgültige Klärung der Finanzierungsprobleme für Dünkirchen etwas verzögert zu haben. Die Geste der Hohen Behörde, ihre Bürgschaft für eine Anleihe zu gewähren, weist darauf hin, daß die Gesellschaft bemüht ist, diese Schwierigkeiten wenigstens im Anfang durch eine größere Eigenfinanzierung der Bauarbeiten zu überwinden.