Nach der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank und der Bayerischen Vereinsbank will jetzt auch die Commerzbank AG ihr Kapital erhöhen, und zwar im Verhältnis 5:1 zu einem Ausgabekurs für die jungen Aktien zu-200 v. H. Nach der Kapitalerhöhung wird das Grundkapital der Commerzbank 180 Mill. DM betragen. Begründet wird die Aufstockung mit der Notwendigkeit, die Eigenmittel an das gestiegene Geschäftsvolumen anzugleichen.

Natürlich ist es nicht so, daß die Commerzbank im eigentlichen Sinne Geld braucht, um ihre Geschäftsmöglichkeiten ausschöpfen zu können. Die Liquidität der Banken ist – von vorübergehenden Spannungen abgesehen – so groß, daß eher die Sorge besteht, wie die Kundeneinlagen rentabel angelegt werden können. Wenn die Commerzbank neues Kapital von ihren Aktionären fordert, dann hat es zwei Gründe. Einmal wünscht sie die Relation zwischen den eigenen Mitteln (Grundkapital und Reserven) zur Bilanzsumme zu verbessern. Das ist aus „optischen Gründen“ notwendig, besonders für eine Bank, die aktiv ins Auslandsgeschäft drängt. International gesehen ist bei den meisten deutschen Banken der Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme recht niedrig. Zur Stärkung der Vertrauensgrundlage ist eine Erhöhung angebracht.

Der zweite Grund für den Schritt der Commerzbank ist ebenfalls optischer Art. Es ist kein Geheimnis, daß für die Banken das Jahr 1959 ein Rekordjahr wird. Trotz gesunkener Zinsmarge sind die Gewinne beträchtlich gewesen. Es gibt bei den Verwaltungen keinen Zweifel, daß der Aktionär daran seinen Anteil haben muß. Aber wie? Auf den Bilanzbesprechungen zu Beginn dieses Jahres haben nahezu alle Bankenvorstände übereinstimmend erklärt, daß sie – wiederum aus optischen Gründen – mit den Dividenden von 14 v. H. an der oberen Grenze angelangt sind. Höhere Sätze würden massive Gehaltswünsche des Personals hervorrufen, außerdem fürchtet man die Klagen der Kundschaft mit dem Tenor: Niedrigere Dividenden, aber dafür kulantere Zins- und Gebührensätze!

In gewisser Beziehung sitzen die Banken also in einer Zwickmühle. Als Ausweg bieten sich die Kapitalerhöhungen zu angemessenen Ausgabekursen an. Für den Commerzbank-Aktionär, der die jungen Aktien bezieht, erhöht sich dadurch die Rendite seines Gesamtbestandes, ohne daß mehr Dividende gezahlt zu werden braucht. Damit ist nicht gesagt, daß die Großbanken für 1959 unbedingt wieder mit einem einheitlichen Satz von 14 v. H. aufwarten werden. An der Börse wird mit einer kleinen Erhöhung auf 15 v. H. ebenso gerechnet wie auf Bezugsrechte bei der Dresdner und der Deutschen Bank, bei diesen Instituten allerdings erst im Frühjahr 1960. -ndt