Während des letzten Krieges wurden 25 Priester vom französischen Klerus ermächtigt, sich – als Arbeiter getarnt – in deutschen Fabriken anstellen zu lassen, da die Deutschen die Seelsorge unter den, französischen Zwangsarbeitern verboten. Damit begann eines der bewegendsten Experimente der Katholischen Kirche, das nach dem Kriege in den Arbeitergegenden weitergeführt wurde. Mit den prêtre-ouvriers wollt! die Kirche neue Wege der Verkündigung einschlagen. Der Priester sollte mit der Stola untern Overall neben dem Schlosser an der Drehbank stehen, unter denselben Bedingungen leben und arbeiten wie er, um ihm das Christentum im praktischen Dasein vorzuleben. Zu der erster Krise der Arbeitermission kam es 1953, als die Patres die Solidarität mit ihren Schutzbefohlener, so weit trieben, daß sie an Aktionen der marxistischen Gewerkschaften teilnahmen.

In diese Problematik leuchtete das Fernsehspie. „Ruf ohne Echo“ von Helmut Pigge und Rainer Wolffhardt (Autor und Regisseur), das der Süddeutsche Rundfunk nach dem Roman von Gilbert Cesbron „Die Heiligen gehen in die Hölle“ sendete. Cesbron hat mit seinen Büchern – so unter anderem mit „Wie verlorene Hunde“ und „Es ist Mitternacht, Dr. Schweitzer“ – gezeigt, daß er es versteht, Stoffe von starker sozialer Aktualität in einer Weise zu behandeln, daß sich die Verfilmung aufdrängt. Drehbuchautor und Regisseur brauchten sich deshalb weniger um eine dramatische Steigerung als vielmehr um eine glaubhafte Transponierung zu sorgen.

Ein derart religiös geladenes Thema spricht über seine Realistik hinaus, den Zuschauer an, und es gab deshalb manche heiklen Stellen, wo die Wahrheit in eine unzureichende Bildformel verwandelt wurde. Geradezu mit der Stimme eines Versuchers sprach da der Vorgänger des Arbeiterpriesters Pater Pierre, als Mönch in eine Klosterzelle zurückgekehrt, die einem Holzschnitt Dürers nachgebildet sein konnte. Wenn der Kardinal dem Pater schließlich die Mission untersagt, ihn aber am Ende der Unterredung bittet, ihm die Beichte abzunehmen, dann meint man doch, das sei bei Bernanos wesentlich besser – zu lesen. Horst Tappert, der etwas zu sehr zum „frommen Augenaufschlag“ neigt, spielte die Hauptrolle überzeugend inmitten eines düsteren Szenariums, dem man die Pappkulissen selten ansah.

Wegen der Überlänge des Stückes verzichtete man gern auf den Genuß des ursprünglich vorgesehenen Vierten Brandenburgischen Konzertes, zumal am selben Tag die Nachricht durch die Presse ging, daß die französischen Bischöfe sich persönlich beim Papst dafür einsetzen wollen, daß das Arbeiterpriestertum in veränderter Form wieder auflebt. Günther Specovius

Einen „kabarettistischen Versuch“ hatte die fleißige Christa Rotzoll ihren Leitfaden für Angeber“ (NDR/UKW) genannt. Ein Versuch ist es in manchem auch geblieben, weil Boy Gobert, der „Angabelehrer“, ein wenig müde sprach, dem kabarettistischen Mahl seinen Pfeffer vorenthielt. Dennoch hat diese Halbstundensendung voll amüsantem Unfug manchen manches gelehrt, so etwa dies: Erfinde bedeutende Personen des vergangenen Geisteslebens, erfinde Bücher mit großartigen Titeln, phantasiere und verwende alles geschickt im Gespräch mit dem, dem imponiert werden oder der übertölpelt werden soll. Damit dies von niemandem als unschicklich empfunden werde, gibt die Verfasserin die Lehre: „Mensch und Angeben – das ist so ziemlich das gleiche.“ m.s.