Wenn ein Hörspiel von „besonderer Art“ angekündigt ist, ergänzt der Rundfunkkunde: „von moderner Art“. Und so war es denn auch. Der Norddeutsche Rundfunk (UKW) hatte des hier unbekannten Briten Harold Pinter Hörspiel Der Streichholzverkäufer“ von Willy H. Thiem übersetzen und von Fritz Schröder-Jahn inszenieren lassen.

Ein modernes Stück, nun ja. Modern war wohl, daß die Titelfigur zwar existierte, aber doch wieder nicht existierte. Der alte Mann, der des öfteren am, Gartenzaun hinter dem Hause des Ehepaares Edward und Flora lehnte und Verwunderung wie Abneigung hervorrief – unter anderem, weil man ihn nie etwas verkaufen sah –, der alte Mann sprach kein Wort. Er schwieg, gleichwohl er in Handlung und Gespräche einbezogen ward.

Edward und Flora holen ihn ins Haus, reden abwechselnd in immer größerer Erregung auf ihn ein, erzählen ihm unsicher und geständnisfreudig eigenes Erleben – doch der Mann, der Streichholzverkäufer ist und kein Streichholz verkauft, sagt nichts. Er hätte auch Schnürsenkel oder Gummibänder in seinem Korb haben können – was tut’s, zumal die Pointe ausblieb?

Das Stück langweilte, und es blieb unverständlich. Mag sein, daß ausdauernde Grübler irgendeinen Sinn, vielleicht gar etwas Schicksalhaftes darin haben entdecken können; doch ein Stück, das der Erklärung bedarf, ist kein Stück.

Dabei fing das Hörspiel vielversprechend an mit einer häuslichen Szene am Frühstückstisch, über dem eine Wespe summte. Edward gelingt es schließlich, das garstige Insekt lustvoll ums Leben zu bringen, und voll Genugtuung stöhnt er: „Ha, sie ist tot“ – und im gleichen Atemzug preist er – Blick in den Garten – den herrlichen, sonnigen Tag.

So realistisch beginnt Pinters Spiel, und hier endete es auch schon. Denn was kam, war psychologischer Versuch, Hintergründigkeit ohne Hintergrund, Spekulation mit „dem Inneren“ der Personen. Ein schwerfälliges Stück, obwohl Fritz Schröder-Jahn mit Eifer Spannung in die Geschichte bringen wollte. Schröder-Jahn sprach selbst den Edward, leider ein wenig zu forciert, und Gisela von Collande spielte die Flora, genauso, wie sie Gisela von Collande immer gespielt hätte. Zuweilen empfindet man es als betrüblich, daß diese Schauspielerin immer in dasselbe dramatische Schema gezwängt wird. Ob der Rundfunk ihr wohl einmal eine Rolle anbietet, die anders, ganz anders ist? sa.