In einem internationalen System konvertibler Währungen kann sich kein großes Zinsgefälle zwischen einzelnen Ländern bilden. Das gilt, wie im Augenblick die Praxis zeigt, aber nur in der Theorie. Der Markt selbst hat nämlich ein Regulativ geschaffen.

Banken, die Geld in das Ausland verlagern, weil sie dort höhere Zinsen erhalten, müssen zur Abdeckung des Währungsrisikos Gegengeschäfte machen. Sie kaufen zum Beispiel Dollar, um sie für drei Monate in New York anzulegen und verkaufen sie gleichzeitig wieder per Termin. Solche Swapgeschäfte werden laufend am Terminmarkt getätigt. Der Gegenspieler läßt sich dafür naturgemäß eine Vergütung bezahlen – den sogenannten Deport –, die in der Regel der Zinsdifferenz recht nahe kommt. Auf solche Weise wird bereits im Geldexportland ein wesentlicher Teil des Zinsgewinnes abgeschöpft. Dies verhindert extreme Geldbewegungen im Bankenbereich. Der Geldmarkt im engeren Sinne führt daher auch nicht zu einer Einebnung des Zinsgefälles. Das geschieht nur von außen her. Sind in Deutschland die Zinsen, die ein ausländisches Wirtschaftsunternehmen oder ein Privatmann erlangen kann, niedriger als anderswo, dann werden Auslandsanlagen abgezogen.

Das spielt im internationalen Warengeschäft eine erhebliche Rolle. Solche Vorgänge wirken sich nur langsam und allmählich aus. Mit der Zeit aber werden sie spürbar. So ist der deutsche Geldmarkt in der letzten Zeit etwas fester geworden. Entsprechend hat in der vergangenen Woche die Bun-

desbank die Abgabesätze für kurzfristige Geldmarktpapiere und die Privatdiskontbank ihren Satz um 1/8 v. H. erhöht. Auch im Zwischenbankverkehr haben die Sätze ein wenig angezogen. Aller Voraussicht nach wird sich diese Entwicklung verstärken. Bisher hat nämlich der Bund seine großen Auslandszahlungen für Schuldentilgungen, Rüstungseinkäufe u. ä. aus Mitteln des Juliusturmes bestritten. Jetzt herrscht Ebbe in der Bundeskasse. Auslandszahlungen aber werden weiterhin geleistet werden. Entsprechende Gelder müssen dann aus dem Kreislauf gezogen werden, was die Bankenliquidität einschränkt. Alles in allem gewinnt man den Eindruck, daß die Liquiditätsschwemme ihren Höhepunkt erreicht hat und daß die Entwicklung in Richtung auf eine Anpassung des deutschen Zinsniveaus an das des Auslandes geht. Die noch für dieses Jahr angekündigte Bundesanleihe wird diesen Trend noch verstärken. W. R.