Berauscht von den Feiern zum zehnjährigen Bestehen ihres Regimes hat die Ulbricht-Regierung auf den Berliner S-Bahnhöfen, die laut Viermächtevereinbarung in ganz Berlin unter östlicher Kontrolle stehen (aber nach Ansicht des Senats kein exterritoriales Gebiet darstellen), ihre neue Flagge gehißt: Hammer und Zirkel auf schwarz-rot-goldenem Grund. Hammer und Zirkel, die Embleme östlicher Zwingherrschaft, aufgedruckt auf die Farben, die seit dem Wartburgfest und seit 1848 für die Freiheit stehen! Aber was weiß die SED schon von deutscher Geschichte. Sie hat immer nur versucht, nationale. Symbole ihren Zwecken dienstbar zu machen – auch Schwarz-Weiß-Rot kam ihr dazu hin und wieder recht gelegen.

Als Westberliner Polizei von den 100 Fahnen etwa 70 einholte, kam es zu schweren Zusammenstößen auf einigen Bahnhöfen. Deutsche gegen Deutsche – Hammer und Zirkel gegen Schwarz-Rot-Gold – deutlicher kann sich kaum manifestieren, worum es geht.

Dies ist wichtig festzuhalten: es war Pankow, das sich eine neue Fahne gegeben hat, weil es sich durch die alte begreiflicherweise nicht mehr repräsentiert fühlt. D.