Was zählt, sind Rhythmus, Gliederung und Tonfall

Von Günter Blöcker

Wenn ich eine Weltanschauung zu verkünden hätte, dann wäre es eine Weltanschauung der Zärtlichkeit. Daß wir gut zueinander sind, ohne gleich in Gewaltsamkeit, Erotik und Begierde zu fallen. Nicht nur die Mädchen sehnen sich nach Zärtlichkeit, wir auch, ja vielleicht noch stärker; weil das Leben von uns an erster Stelle verlangt, spröde und hart zu sein...“

Dieses für einen Angehörigen der jüngeren Generation ungewöhnliche Bekenntnis las man 1954 in Hans Benders erstem Roman „Eine Sache wie die Liebe“. Seitdem hat der 1919 geborene Autor sich auf vielerlei Gebieten des literarischen Lebens mit Glück betätigt: als Verfasser von Gedichten und Kurzgeschichten, Herausgeber von Anthologien, als Kritiker, Mitherausgeber einer Literaturzeitschrift und als warmherzigerFörderer zeitgenössischer deutscher Lyrik. Bei alledem ist er jener zärtlichen Weltansicht, dem Prinzip optimalen Wohlwollens Dingen und Menschen gegenüber treu geblieben. Schon das darf in einer Zeit, in der nur das Krasse, Hektische, Exzentrische etwas gilt, als Leistung angesehen, werden.

In seinem zweiten Roman

Hans Bender: „Wunschkost“; Carl Hanser Verlag, München; 160 S., 9,80 DM

ist dieser sympathischen menschlischen Haltung nun auch der volle künstlerische Ertrag beschieden. Es handelt sich um eine Episode aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft. Der Autor selber gehört zu denen, die erst 1949 zurückgekommen sind, und, es spricht für ihn, daß er sich zehn Jahre Zeit gelassen hat, ehe er dieses ruhige, gleichermaßen von Haß, Polemik und Selbstmitleid freie Buch niederschrieb.