Von Paul Hühnerfeld

Wir haben vielleicht ein halbes Dutzend jüngerer deutscher Autoren, auf deren neue Bücher man wartet. Heinrich Böll gehört dazu – es gibt sogar Kritiker, die ihn ohne Bedenken an die Spitze dieser Gruppe stellen: den bescheidenen, sympathischen Mann aus Köln, der sich so abseits von Tagungen und Trubel hält, der den Verlockungen von Rundfunk und Presse, schnell Geld zu verdienen, tapferer als andere widersteht. Er hat nun ein neues Buch vorgelegt –

Heinrich Böll: „Billard um halb zehn“; Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln; 352 S., 14,80 DM.

Der heute 41jährige Romancier schrieb damit seinen vierten Roman – viele kürzere und längere Erzählungen, darunter der Erstling „Der Zug war pünktlich“, die wunderbare satirische Geschichte „Nicht nur-zur Weihnachtszeit“ oder die heitere short story „Unberechenbare Gäste“ haben ihn mit Recht berühmt gemacht.

Seine Romane sind problematisch. Von einigen begeisterten Stimmen abgesehen, sind sich die meisten Kritiker darüber einig, daß der „große Wurf“ Böll noch nicht geglückt sei: So viel Atem auch der erste „Wo warst du, Adam?“ hatte, so interessant der zweite „Und sagte kein einziges Wort“ und so ambitioniert der dritte „Haus ohne Hüter“ war – ihnen allen fehlte auf verschiedene Weise der Stempel jener Gültigkeit, der allein, uns in der Literatur hoffen läßt, daß ein Buch auch in zwanzig Jahren noch gelesen wird.

Bölls Position als Romancier ist allerdings schwierig: Selbst seine Zurückhaltung hat es nicht verhindern können, zu schnell „hochgelobt“ zu werden; landaus, landein waren die Kritiker froh, eine Romanbegabung gefunden zu haben, einen Mann, der ernsthaft willens war, 300 Buchseiten und mehr gewissenhaft vollzuschreiben. Die Frage ist nur – und sie beim vierten Roman zu stellen, scheint mir nicht zu früh –, ist dieser ohne Zweifel hochbegabte Böll, den ich für einen der besten Erzähler seiner Generation in Deutschland halte, ist Böll denn wirklich ein begabter Romancier?

Schauplatz auch des neuen Buches ist – wie im letzten Roman – Köln. Thema sind die Fähmels, eine Architekten-Familie, die seit zwei Generationen in Köln ansässig ist. Stifte und Abteien, Kirchen und Wochenendhäuser gebaut hat.