Von Walter Lippens

In der ZEIT Nr. 39 vom 25. September 1959 verglich Heinz Steinberg unter der Überschrift „Wie lohnt sich das Investment-Sparen?“ Leistungen der einzelnen Investment-Fonds einmal miteinander und zum anderen auch mit der Entwicklung des Aktienindex. Dabei kam er zu dem Schluß, daß es keiner Fonds-Verwaltung gelungen ist, die Leistung eines Idealfonds zu übertreffen, der sich aus Aktien jener 430 Gesellschaften zusammensetzen sollte, deren Kurse zur Berechnung des amtlichen Aktienindex dienen. Dr. Walter Lippens (Deutsche Bank) schreibt dazu:

In den letzten vier Jahren entwickelte sich das Investmentsparen zu einem bedeutsamen neuen Faktor am westdeutschen Kapitalmarkt. Das Volumen aller Investmentfonds erhöhte sich von 28,6 Mill. DM am 1. Januar 1956 auf 2,19 Mrd. DM am 30. August 1959. Ein Fonds überstieg z. B. im Juli d. J. zum ersten Male die 500-Mill.-DM-Grenze. Aus zunächst zwei Investmentzertifikaten entstand im Laufe der Jahre ein vielseitiges Angebot von 14 verschiedenen Papieren. Der Sparer kann zwischen reinen Inlandsfonds, reinen Auslandsfonds und gemischten In- und Auslandsfonds wählen er kann sich an reinen Aktien- oder gemischten Aktien- und Obligationsfonds beteiligen. Für den Investmentsparen stellt sich nunmehr die Frage, für welche Zertifikate er sich entscheiden soll.

Es ist dankenswert, daß der Verfasser des Artikels „Wie lohnt sich das Investmentsparen“ Maßstäbe zur Beurteilung von Investmentzertifikaten aufzeigt. Er legt dabei die in Amerika seit langen Jahren verbreitete Methode zugrunde, das Gesamtergebnis eines Zertifikats aus dem Wertzuwachs und den Ausschüttungen über eine längere Periode zu ermitteln. Damit wird eine gewisse Vergleichsmöglichkeit für verschiedene Investmentzertifikate geschaffen. Auch der Vergleich mit dem Aktienindex bietet sich an. Die Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen berichtet z. B. in ihren Jahresveröffentlichungen ausführlich über die Kursentwicklung ihres Investa-Fonds und stellt sie dem Aktienindex gegenüber. Die Schlußfolgerungen jedoch, die der Verfasser aus dem Vergleich des Erfolges der deutschen Investmentzertifikate mit dem Index der Aktienkurse zieht, bedürfen einer gewissen Korrektur.

Der Verfasser bezeichnet den Aktienindex als eine Art Idealfonds, in den alle vorhandenen Aktien aufgenommen werden. Das stimmt nicht ganz, denn der Aktienindex umfaßt nur 430 ausgewählte Aktien, er gibt also einen repräsentativen Querschnitt aller Aktien, während an den Börsen der Bundesrepublik insgesamt rd. 650 Aktien notiert werden. Nach Meinung, des Verfassers sind für die Verwaltung eines solchen Idealfonds besondere Kenntnisse nicht notwendig. Das ist theoretisch richtig. Er knüpft hieran die Bemerkung, „die Investmentgesellschaften wollen das Sparkapital aber besonders geschickt anlegen und erhalten dafür auch ein Honorar. Ihr Erfolg müßte sich zeigen im Vergleich mit diesem Idealfonds.“ Diese Behauptung ist in dieser Form nicht aufrechtzuerhalten.

Die vorhandenen Investmentgesellschaften wollen nämlich nach Möglichkeit ihren Sparern viele Chancen erschließen, ohne sie mit übermäßigen Risiken zu belasten. Deshalb nehmen die Investmentverwaltungen von vornherein nur solche Papiere in ihre Anlageplanung auf, bei denen die Kurse nicht auf Grund von Interessenkäufen stark überhöht sind. Derartige Papiere werden jedoch für die Berechnung des Aktienindex herangezogen.

Selbstverständlich kann der einzelne zur Spekulation entschlossene Aktienkäufer bewußt die Risiken eingehen, die bei den durch Interessenkäufe beeinflußten Papieren bestehen, um an entsprechenden Kurssteigerungschancen teilzuhaben. Die Investmentgesellschaften stellen ihre Anlagepolitik aber nicht auf spekulative Anleger, sondern auf Investmentsparer ab. Sie wollen ihre Zertifikatsbesitzer an dem langfristigen Wachstum der Wirtschaft und den damit verbundenen Chancen beteiligen. Die Verlustgefahren bei den einzelnen Papieren wollen sie von vornherein durch eine entsprechende Auswahl möglichst niedrig halten. In den letzten Jahren zeigte sich zwar bei den Papieren mit starken Interessenkäufen insgesamt gesehen eine steigende Kurstendenz, doch kann sich die Situation – wie Beispiele bewiesen haben – fast innerhalb von Stunden ändern. Selbstverständlich wäre es möglich, Fonds zu gründen, die nach ihrer Satzung bewußt spekulative Anlagen bevorzugen. Zertifikate über solche Fonds sollten dann aber nur einem begrenzten Käuferkreis angeboten werden.