Unter den vielen, meistens ausländischen Versuchen, den Krieg zu schildern und damit unsere Kriegserfahrung zu klären, waren die meisten unzulänglich. Die Verfilmung von Norman Mailers hartem und erfolgreichem Buch „Die Nackten und die Toten“, das den Kampf der Amerikaner gegen die Japaner auf einer pazifischen Insel zum Hintergrund hat, kann allenfalls dem, der den Dschungel kennt, entfernt die Erfahrungen in diesem tropischen Dickicht widerspiegeln, doch kaum dem, der niemals dort war. Wieviel mehr trifft das zu auf die Erlebnisse des Krieges. Man vergißt keinen Augenblick: Es sind tönende Schatten auf der Leinwand. Dabei ist der Ton, die musikalische Untermalung, das Beste an diesem Film, sie ruft beklemmende Visionen hervor (Musik: Bernard Herrmann).

Der Film „Die Nackten und die Toten“ unterstreicht durch die notwendige Simplifizierung die Schwächen des Buches. Die kümmerlichen Rückblenden auf das frühere Privatleben der Soldaten erweckt noch mehr als Mailers aggressive, ungeschlachte, obszöne Schilderung den Eindruck, als ob das amerikanische Leben in dumpfer Öde; Langeweile und Leere animalisch zwischen Busineß und Sexualität abläuft. Die Größe des Buches aber, die drastische Offenheit, mit der es in krasser Nacktheit den Angriff der Frontgeneration gegen alles Pathos des Krieges hinausschleudert und die faulen Stellen der schwerfälligen Kriegsmaschinerie aufdeckt, wurde vom Film nicht unterstrichen. Er dämpfte durch Weglassen, durch Mildern, durch zu kurzes Anleuchten.

Aber es bleibt noch genug, um diesen Film als Anklage gegen den Krieg willkommen zu heißen: In der Interpretation des bulligen Aldo Ray gewinnt die brutale Figur dieses Sergeanten und Schleifers Croft Leben, des Draufgängers, der im Krieg seine eigentliche Bestimmung sieht, der Freude empfindet, wenn er unbewaffnete Gefangene erschießt, der japanische Leichen fleddert, bis er selbst von Kugeln zerrissen wird. Die Versuche Hollywoods, faschistische Ideologien in der amerikanischen Armee aufzudecken – wie schon in „Verdammt in alle Ewigkeit“ –, werden hier in dem ehrgeizigen General Cummings (Raymond Massey) deutlich, der eine naive Philosophie von der Macht der Elite vertritt und sich als Spengler Jünger den Satz, „die natürliche Bestimmung des Menschen ist die Angst“, zu eigen macht, um den Gehorsam der Truppe zu erzwingen. (In zwei Kinos in Hamburg: Streit’s, Urania. RKO/Rank.)

Rührend bemüht sich der Film darum, im Gegensatz zu Mailer, der nur die Absurdität des Krieges schildert, ein paar tröstende letzte Worte zu sagen: „Der Geist des Menschen ist von Gott, er ist ewig und unzerstörbar.“ Der vage liberale, vage humane Leutnant Hearn, der bei Mailer ein Opfer der Macht wird, überlebt im Film, eigens um diese Schlußworte zu sprechen. Der General erlitt ein technisches k. o., eine verlorene Patrouille kommt zurück, die Japaner verlassen die Insel. Die Macht geht unter, und der Liberalismus gewinnt. Das allerdings hat fast nichts mehr mit Mailers Absicht zu tun, der demonstrieren wollte, daß auch die Sieger Verlierer sind und niemand gewinnt. Erika Müller

Bitte, schenken Sie dem Prospekt der Firma Steppdeckenfabrik Grimm, (21 b) Eiserfeld/Sieg, Frau-Holle-Straße, der unserer heutigen Auflage beiliegt, Ihre Aufmerksamkeit.