DIE ZEIT

Makler in Peking

Der sowjetische Ministerpräsident Chruschtschow ist, darüber sind sich die westlichen China-Fachleute einig, als ehrllcher Makler nach Peking zu den Zehnjahresfeiern geflogen.

Pankow feiert

Als die Bundesrepublik im Sommer den zehnten Jahrestag ihres Grundgesetzes und damit der Staatsgründung von 1949 beging, feierte sie die Vollendung ihrer ersten Dekade mit jener zurückhaltenden Scheu vor dem großen Pathos, die ihren nüchternen Stil von Anfang an gekennzeichnet hat.

Politik und Prophetie

Wenn auch der Ausgang der englischen Parlamentswahlen in dieser letzten Woche noch völlig offen war, so stand ein Verlierer doch schon eindeutig fest: die Meinungsforschungsinstitute, deren Prophetie im Lande von Tag zu Tag weniger gilt.

Hammer und Zirkel

Berauscht von den Feiern zum zehnjährigen Bestehen ihres Regimes hat die Ulbricht-Regierung auf den Berliner S-Bahnhöfen, die laut Viermächtevereinbarung in ganz Berlin unter östlicher Kontrolle stehen (aber nach Ansicht des Senats kein exterritoriales Gebiet darstellen), ihre neue Flagge gehißt: Hammer und Zirkel auf schwarz-rot-goldenem Grund.

Sphinx und Drache

Die Zeiten sind lange vorbei, da Nehru, Nasser und Tschu En-lai einander in Bandung unverbrüchliche Koexistenz-Treue schworen.

Der Bischof und die Obrigkeit

Bischof Dibelius hat seinen im Privatdruck veröffentlichten Aufsatz „Obrigkeit?“ unter dem Eindruck der Kritik (vgl. „Der Bischof und die Gewissensnot“, DIE ZEIT Nr.

Amerikanische Politiker am Rhein

Da meint man immer, wenn man tagtäglich die Presse anderer Länder studiere, – dann wisse man so ungefähr, was die Leute dort denken.

Pankows Justizreform

„Der Siebenjahresplan ist nicht nur ein gewaltiger Plan der Entwicklung der Volkswirtschaft, sondern er ist vor allem der große Plan zur Errichtung der freiesten, demokratischsten, einzig humanistischen Ordnung.

ZEITSPIEGEL

„Die Volksschülerin mit nackten Schenkeln ist schon seit Jahren in der ganzen Welt der werbende Typ, der die echte Frau spielend aus dem Felde geschlagen hat Von der Sandbank ins Bett – das ist die geheime und unerfüllbare Lustvorstellung, auf die heute mit allen Mitteln der Werbung spekuliert wird und nach der der weibliche Plakattyp sich zu richten beginnt.

Lunik hinter Luna

Einen knappen Monat nach ihrem Volltreffer auf den Mond ist den russischen Raketentechnikern ein noch erstaunlicheres Experiment gelungen.

Sowjet-Köpfe

In der Sowjetunion gibt es keinen Who is Who und auch keine anderen Nachschlagewerke dieser Art. Zu Stalins Zeiten waren selbst Biographie-Angaben von Mitgliedern der Spitzenführung oft nur schwer zu ermitteln.

Kaisen mit und contra Boljahn

Zwei Köpfe beherrschen den Wahlkampf in Bremen: Wilhelm Kaisen und Richard Boljahn, beide von der SPD. Dennoch erscheinen sie auf den Plakaten verschiedener Parteien.

Sein Wort in Herters Ohr

Sein schmales, langes Gesicht wirkt verschlossen, fast abweisend: dünnlippiger Mund, energisches Kinn, kühle Augen. Es ist das Gesicht eines Mannes, der scharf zu beobachten vermag, der präzise denken kann und sich aufs Schweigen versteht.

De Gaulle und die FLN

De Gaulle hat mit seiner Zuerkennung des theoretischen Selbstbestimmungsrechtes an die Algerier einen bedeutenden Schritt voran gemacht, und man weiß wohl, daß nur er sich diesen Schritt leisten konnte, ohne sofort weggefegt zu werden.

Pantomime in Kambodscha

Während die englische Prinzessin Alexandra von Kent auf ihrer Fernostreise in Kambodscha Station machte, traf in London eine Protestnote aus Moskau ein, in der die britische Regierung beschuldigt wurde, sie versuche das südostasiatische Königreich „unter ausländische Kontrolle“ zu bringen.

Was ist Wohlstand?

Nun hatte der Kaufmann ja wirklich nicht nur den Opel-Caravan, sondern auch den Anwalt. Und dieser Anwalt wird ihn auf den Gedanken gebracht haben, das Amtsgericht hatte noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Schleswig-Holstein: Fünf Minuten Frist

In diesem Jahr der Sonne hat die Insel Sylt – samt ihrem Kampener Nacktbadestrand „Abessinien“ – die Gäste länger als sonst zu fesseln vermocht – tief in den Herbst hinein.

Niedersachsen: Wirtschaftsfaktor: Studenten

Die niedersächsische Landeshauptstadt an der Leine ist nicht eben eine typische Universitäts- oder Hochschulstadt. Dennoch ist unter ihren rund 570 000 Bürgern ein gemessener Stolz auf die 4500 Studentinnen und Studenten der Technischen und der Tierärztlichen Hochschule weitverbreitet.

Hamburg: Warum Bernard Buffet ein Schloß besitzt

Warum „z.B. Bernard Buffet, der als Sohn eines armen Fahrradhändlers in einem Hinterhofzimmer aufwuchs, bereits mit neunundzwanzig Jahren Millionär und Schloßbesitzer war und einen Rolls-Royce-Wagen fährt, während Grandma Moses, die erst im Alter von etwa siebzig Jahren zu malen begann, für ihre Kunst in den Vereinigten Staaten mit der Verleihung der Doktorwürde ausgezeichnet wurde“ – ich muß gestehen, ich hatte nie darüber nachgedacht.

See you later, Gerard!

Gerard Hoffnung, Wahl-Engländer deutschjüdischer Herkunft, liebte das Leben und hat mit 34 Jahren sterben müssen – nicht, wie junge Leute so sterben, bei einer Messerstecherei oder doch wenigstens bei einem Autounfall, sondern wie einer, der wirklich mit seinem Leben am Ende ist: Schlaganfall.

Deutsche Literatur in England

Mit der Literatur als Exportware erlebt man im großen und ganzen nicht viel Freude. Die einen verdrießt es, wenn man das Buch als Ware auffaßt; die anderen sind verstimmt, weil sich die Ein- und Ausfuhr des Geistes nicht immer als ein gutes Geschäft erweist und auch nicht immer als eine große Ehre; und einigen wenigen bricht es das Herz darüber, daß die Literatur auf der Seereise von einer Sprache zur anderen Havarie erleidet.

Große Zeit der Ecole de Paris

In der Hamburger Kunsthalle waren im Frühjahr 1958 „Französische Zeichnungen vom 14. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts“ ausgestellt.

Auf den Spuren der Dark Lady

Und damit wird die Geschichte spannend. Denn aus dieser Familie Fitton stammte die Hofdame Elisabeths I., Mary Fitton, die heute ziemlich allgemein als die „dunkle Dame“ gilt, an die so viele Sonette Shakespeares gerichtet sind.

Wohin führt der Fernseh-Krieg?

Einen „Überraschungsangriff“ des militanten Innenministers Schröder – so haben Kritiker den Entwurf des Rundfunk- und Fernsehgesetzes genannt, den die Bundesregierung am 30.

ZEITMOSAIK

Xerxes hat, nach Herodot, beim Anblick seines unübersehbaren Heeres geweint, indem er bedachte, daß von diesen Allen, nach hundert Jahren, Keiner am Leben seyn würde: wer möchte da nicht weinen, beim Anblick des dicken Meßkatalogs, wenn er bedenkt, daß von allen diesen Büchern, schon nach zehn Jahren, keines mehr am Leben seyn wird.

Ist das noch Geist unserer Zeit?

O Wort, du Wort, das mir fehlt! Mit diesem Verzweiflungsruf des Moses endet der musikalisch komponierte Teil der Oper „Moses und Aron“ von Arnold Schönberg.

Günter Eich:: „Abgelegene Gehöfte“

Soeben hat Günter Eich seine neuen Gedichte ... erscheinen lassen. Es ist ermutigend, hier einmal die Malheurs vergessen zu können, die unserer gegenwärtigen Lyrik oft genug geschadet haben, und von Seite zu Seite ursprüngliche Dichtung festzustellen, eine Verskunst von eigenartiger Kühnheit, komprimiert und knapp .

Hans Bender: „Wunschkost“

Wenn ich eine Weltanschauung zu verkünden hätte, dann wäre es eine Weltanschauung der Zärtlichkeit. Daß wir gut zueinander sind, ohne gleich in Gewaltsamkeit, Erotik und Begierde zu fallen.

Hagelstange: Spielball der Götter

Als der Dichter für seinen auf Lyrik, Essays und Reiseberichte folgenden ersten Roman – Rudolf Hagelstange: „Spielball der Götter – Aufzeichnungen eines trojanischen Prinzen“; Hoffmann u.

Siegfried Lenz: „Brot und Spiele“

Was Siegfried Lenz erzählt, zeichnet sich – neben anderen Vorzügen – in der Regel durch erstaunliche Sachkenntnis aus. Die genaue Vertrautheit mit einem Fach oder Milieu, worin ein Autor seine Handlung spielen läßt, die Beherrschung seines Schauplatzes bis tief in seine intimen Details und Tricks hinein, so daß er sich mit der vollendeten Sicherheit des Fachmannes darin ergeht, macht gut und gern die Hälfte, der Gediegenheit eines Kunstwerkes aus, namentlich wenn dieses ein Buch ist; und die Hälfte, das ist schon sehr viel.

Ohrfeigen dem Geschmack

Zu den Größen der sowjetrussichen Literatur, bei uns nicht nur recht unbekannt sind, sondern zunächst auch, kommen wir mit ihnen zufällig in Berührung, erschreckend fremd wirken, gehört Wladimir Wladimirowitsch Majakowskij.

Jagd auf den Guten

Wer wahrhaft gut ist und im Geruch eines profanen Heiligen steht, denkt über seine Güte nicht nach. Um so verblüffter muß er sein, wenn er eines Tages seinem Doppelgänger in Gestalt eines Schauspielers gegenübersteht und entdeckt, daß er samt seiner Güte jeden Abend auf der Bühne Erfolge und Beifall erntet.

Otto F. Walter: „Der Stumme“

Im tobenden Sturm, tausend Meter hoch in den Wäldern des Schweizer Jura, begibt sich die Geschichte des stummen Jungen Lothar Ferro, genannt Loth.

Immer nur Glück und kein Leben

Was ist das Glück? Diese Urfrage beantworten die meisten dadurch, daß sie sich eine Traumwelt bauen, in der zu leben Glück wäre.

Protokoll der Persönlichkeit

Der schwedische Literaturaußenseiter Svend Fagerberg ist ein weitgereister Diplomingenieur (sein Fachgebiet ist Kältetechnik).

Die City zwischen Bangen und Hoffen

Zieht die Jacken aus und stürzt euch in das Gefecht.“ Mit diesem Aufruf an seine Wahlhelfer mußte Lord Hailsham, Manager der konservativen Partei, eingestehen, daß die von ihm in der Kampagne betriebene Strategie fehlgeschlagen war.

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