Wer wahrhaft gut ist und im Geruch eines profanen Heiligen steht, denkt über seine Güte nicht nach. Um so verblüffter muß er sein, wenn er eines Tages seinem Doppelgänger in Gestalt eines Schauspielers gegenübersteht und entdeckt, daß er samt seiner Güte jeden Abend auf der Bühne Erfolge und Beifall erntet. So geht es dem guten Menschen Colley Burton in dem Roman von

Aubrey Menen: „Der Stein des Anstoßes“; Rowohlt Verlag, Hamburg; 339 S., 16.50 DM.

Burton kommt aus Indien, wo er 25 Jahre damit verbracht hat, anonym Gutes zu tun. Doch sein Ruhm eilt ihm voraus: als er Indien verlassen muß, reist er heim in ein London, in dem er bereits populär ist. Wie sich jetzt Schauspieler und Vereinsnamen, Politiker, Schriftsteller, Fanatiker und Verrückte gegenseitig den ‚Guten Mann‘ abzujagen versuchen, wie sie sich listig Stricke flechten und Menschen schieben und wie der Gute im letzten Moment immer seine Integrität anführen kann, das ist mit viel satirischem und elegantem Behagen ausgesponnen und erzählt. Der Spaß an den klug gegeneinandergesetzten Typen und an dem zeitkritischen Feuerwerk wäre jedoch erheblich größer, wenn der Roman nicht so viele mühsame Längen hätte. sy