H. W. Kiel

Wenn die Pläne, die noch wohlverwahrt in den Schreibtischen der Wasser- und Schifffahrtsämter ruhen, Wirklichkeit werden, sind die Tage der Feuerschiffe gezählt. Dann werden die rot und weiß gestrichenen Schiffe, mit deren Existenz sich so viele Geschichten und Geschichtchen verbinden, der stählernen Romantik neuer Leuchttürme weichen müssen:

In der Wasser- und Schiffahrtsdirektion Kid wird die Meinung vertreten, daß die Feuerschiffe schon längst „überfällig“ seien. Sie sind alle schon zu alt. Die meisten haben ein Dienstalter von 50 Jahren und noch mehr auf dem Rücken und müssen früher oder später doch aus dem Dienst gezogen werden. Sollen sie durch moderne Schiff: ersetzt werden? Die Experten diskutierten wieder die alte Frage: Feuerschiff oder Leuchtturm? Und sie entschieden sich für Leuchttürme.

Elf Feuerschiffe sollen aus dem Verkehr gezogen werden. Nicht heute und nicht morgen, aber doch im Verlauf der nächsten Jahre. Einige werden vielleicht noch bleiben. Jene nämlich, die an Stellen liegen, wo kein Leuchtturm gebaut werden kann, weil der Untergrund ihn nicht trägt. Auch an manchen Stellen, wo sich das Fahrwasser verschiebt, wie es in der Nordsee vielfach der Fall ist, sind die beweglichen Feuerschiffe geeigneter als die ortsfesten Leuchttürme.

Der erste neue Leuchtturm soll in zwei Jahren gebaut werden. Er soll am Eingang der Kieler Förde und des Nordostseekanals stehen und das Feuerschiff „Kiel“ ersetzen. Die Entwürfe dafür sind fast fertig.

Leuchttürme, so argumentiert man in Kiel, haben im Vergleich mit den Feuerschiffen viele Vorteile. Man kann Personal sparen. Ein Feuerschiff hat zwölf Mann Besatzung, für einen Leuchtturm genügen zwei Mann. Und wenn später einmal die elektronische Fernsteuerung Wirklichkeit wird, braucht man auch diese beiden nicht mehr auf den Turm hinauszuschieben Ein weiterer Vorteil: Die Leuchttürme stehen fest. Sie pendeln nicht, wie die Schiffe, und geben deshalb den Kapitänen einen genaueren Anhalt für die Festlegung der Schiffspositionen.

In der Ostsee ist es verhältnismäßig einfach, Leuchttürme zu bauen. Der Meeresgrund ist fest, auch wenn man das Fundament des Turmes in fünfzehn Meter Tiefe anlegen muß, Schwieriger sind die Planungen für die acht Leuchttürme, die in der Nordsee stehen sollen. Es ist vorgesehen, daß sie ähnlich wie die Ölbohrinseln angelegt werden sollen. Aber vielleicht ist man, wenn es zum Bau kommt, auch hier schon ein Stück weiter und hat eine Lösung gefunden, die noch günstiger ist.