Der sowjetische Ministerpräsident Chruschtschow ist, darüber sind sich die westlichen China-Fachleute einig, als ehrllcher Makler nach Peking zu den Zehnjahresfeiern geflogen. Er hat es Eisenhower gelobt, hat immer wieder die Notwendigkeit einer weltweiten Entspannung unterstrichen und hat warnende Worte an seine chinesischen Freunde gerichtet: „Daß wir so stark sind, bedeutet nicht, daß wir die Stabilität des kapitalistischen Systems gewaltsam auf die Probe stellen sollten. Sogar ein so edles und fortschrittliches System wie der Sozialismus kann nicht mit Gewalt oder mit Waffen einem Volke aufgezwungen werden.“

Dreimal führte Chruschtschow während seines viertägigen Aufenthaltes in Peking lange Gespräche mit Mao Tse-tung und dessen Mitarbeitern. Auffallend war, daß sich im Verlauf dieser vier Tage die Tonart der chinesischen Äußerungen zum Thema USA milderte. Mao hat überdies aufs neue die Führungsstellung Chruschtschows und der Sowjetunion anerkannt und sich zu dem außenpolitischen Kurs des Kremls bekannt.

Noch ist nicht sichtbar, welchen Preis der Sowjetpremier für diese Anerkennung bezahlen mußte. Stärkeres Drängen auf Chinas Aufnahme in die Vereinten Nationen? Vermehrte Wirtschaftshilfe? Des Kremls Segen für das Experiment der Volkskommunen? Kernwaffen für Maos Streitkräfte? Oder freie Hand in Formosa? ts