Als erste italienische Aktie werden Zertifikate der Montecatini Società Generale per l’Industria Mìneraria e Chimica, Anonima, Mailand, an den großen deutschen Wertpapieren zum Handel und zur amtlichen Notierung eingeführt. Diese Aktien sind in Deutschland nicht unbekannt. Sie wurden in den Jahren 1928 bis 1937, d. h. bis die Devisenbewirtschaftung Auslandswerte von den deutschen Börsen ausschloß, in Berlin, Frankfurt und Hamburg amtlich gehandelt. Inzwischen hat sich vieles geändert, auch das italienische ’Recht, das heute keine Inhaberaktien mehr kennt und Namensaktien mit Blankoindossament (Indossament = schriftliche Übertragungserklärung) verbietet. Das erschwert den Handel in Montecatini-Aktien an den deutschen Börsen.

Wer bisher im Freiverkehr eine Montecatini-Aktie erwarb, mußte das Papier durch ein bestätigtes und an strenge Formeln gebundenes Indossament auf sich übertragen lassen. Der Eigentumswechsel wurde jedesmal in das Aktienbuch in Mailand eingetragen. Um dieses, den Börsenhandel erschwerende Verfahren zu vereinfachen, wurde der amtliche Handel mit Montecatini an der Börse nur für Inhaberzertifikate gestattet. Diese werden von der Dresdner Bank AG ausgegeben. Für jedes Zertifikat wird dabei eine auf die Dresdner Bank ausgestellte Aktie beim Frankfurter Kassenverein hinterlegt. Die Inhaberzertifikate besitzen die gleichen Rechte wie die Originalaktien, in die sie auch jederzeit umgetauscht werden können. So kann der Eigentümer eines Zertifikats auch das Stimmrecht der Dresdner Bank auf sich übertragen lassen, wenn er es selbst auf der Hauptversammlung der Gesellschaft ausüben will. Die Zertifikatsregelung ist so gestaltet, daß sich eine Arbitrage (Börsenhandel) zwischen den deutschen und den Auslandsbörsen, an denen Montecatini-Aktien gehandelt werden, entwickeln kann.

Amtlich notiert werden Montecatini-Aktien an allen großen italienischen Börsen und in Paris, weiterhin die von einer amerikanischen Bank ausgestellten Zertifikate in New York. Mit der amtlichen Einführung in New York hat die Gesellschaft gewisse Verpflichtungen übernehmen müssen. So wird sie künftighin alle drei Monate Zwischenberichte veröffentlichen; Zwischendividenden, wie sie in den USA üblich sind, kann Montecatini dagegen nicht ausschütten, das italienische Recht erlaubt dies nicht.

Die Aktie von Montecatini lautet über nominell 1000 Lire; sie wird in Deutschland nicht in Prozenten, sondern in D-Mark notiert. Im Freiverkehr betrug am 5. Oktober 1959 der Preis für die Aktie 18,95 DM. An Dividenden wurden im Jahre 1954 bis 1958 auf die Aktie über nominell 1000 Lire jeweils 115 Lire bezahlt. (Rendite ca. 3,99 v. H.)

Bei Montecatini handelt es sich um eine echte Publikumsgesellschaft mit sehr weit gestreutem Aktienkapital. Es gibt keinen Aktionär (sofern man einige Investment-Gesellschaften ausklammert), der von dem Aktienkapital (100 Mrd. Lire) wenigstens 1 v. H. besitzt. Insgesamt sind etwa 200 000 Aktionäre vorhanden, davon etwa 4 v. H. Ausländer.

Die Gesellschaft, die während des letzten Krieges große Schäden erlitt, hat sofort nach dem Krieg mit dem Wiederaufbau ihrer Anlagen begonnen und ihre Tätigkeit auf eine Reihe neuer Gebiete ausgedehnt. Ursprünglich handelte es sich bei Montecatini um eine Bergwerksgesellschaft, die Kupferminen ausbeutete. Bereits in den Jahren 1910 bis 1920 wagte es den Sprung in die Chemie. Weiterhin interessierte sich das Unternehmen schon frühzeitig für die Erzeugung von elektrischer Energie und für die Produktion von Leichtmetall, Montecatini war also immer am technischen Fortschritt interessiert. Jetzt aber entwickelt sich die Gesellschaft immer stärker in Richtung auf einen Großchemiekonzern. Besonderes Interesse hat Montecatini an der Petrochemie und an der Produktion von Kunststoffen, Harzen und Lacken. Erfolgreich war die Produktion von Poli Protylen, das in Italien als „Moplen“ bekannt ist. Dieses Produkt findet sowohl als Kunststoff wie als Faser und als synthetischer Gummi Verwendung. Eine entsprechende Fabrikationsstätte wird zur Zeit in West-Virginia aufgebaut. Zu diesem Zweck wurde in USA eine 10-Millionen-Dollar-Anleihe aufgenommen.

Die Gesellschaft ist zur Zeit in einer starken Expansion begriffen. Die italienische Regierung hat ihr die Ermächtigung zur Aufnahme von 100 Mrd. Lire als Anleihe gegeben. Mit diesen Mitteln – zu denen noch die regulären Abschreibungen hinzukommen – wird sie in Sizilien eine Fabrik errichten. Die Produktion soll 1960 anlaufen. In Brindisi entsteht ein petro-chemischer Werckomplex, für den ein Investitionsbetrag von 40 Mrd. Lire veranschlagt ist. Er wird 1962 vollendet sein.